Die Beteiligung bei der Abstimmung am Sonntag habe im Gebiet Lugansk bei 81 Prozent gelegen, sagte der der Vizechef der selbst ernannten Wahlkommission, Alexander Malychin, der Agentur Interfax zufolge weiter. In Donezk gab "Wahlleiter" Roman Ljagin am Montag die Zustimmung für eine Selbstständigkeit des Gebiets mit 89 Prozent an. Knapp 75 Prozent der Abstimmungsberechtigten hätten sich beteiligt.

Die Lage in der Region Donbass sei weiter extrem gespannt. Wegen blutiger Kämpfe zwischen prorussischen Kräften und ukrainischen Regierungstruppen könnten Mitarbeiter die Stimmzettel nur unter Lebensgefahr einsammeln.

Die prowestliche Regierung in Kiew erkennt die Ergebnisse nicht an. "Diese Propaganda-Farce hat keine juristischen Folgen - ausser Strafverfahren gegen die Organisatoren", sagte Interimspräsident Alexander Turtschinow. Ziel der Initiatoren der illegalen Referenden sei es, die Situation maximal zu destabilisieren, um die ukrainische Präsidentenwahl am 25. Mai zu verhindern.

Neue Gefechte in Slawjansk

Turtschinow kündigte eine Fortsetzung der "Anti-Terror-Operation" gegen bewaffnete Separatisten und "Banditen" an, die im Auftrag Russlands die Bevölkerung tyrannisieren würden. Die Staatsmacht hat nach eigenen Angaben die Kontrolle über die Region verloren. Bürger in der Grossstadt Lugansk beklagen ein Chaos mit schwer bewaffneten Uniformierten und Marodeuren auf den Strassen.

In Slawjansk lieferten sich Regierungstruppen erneut Gefechte mit prorussischen Kräften. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, angegriffen zu haben. Die Stadt mit 125'000 Einwohnern wird weitestgehend von den Separatisten beherrscht und ist vom Militär umstellt, das mit einem "Anti-Terror-Einsatz" die Macht in der Region zurückgewinnen will.

Im Gebiet Donezk ist nach einem Radiobericht ein Journalist der kremlkritischen Zeitung "Nowaja Gaseta" verschleppt worden. Pawel Kanygin habe in der Nacht noch eine SMS mit einer Bitte um Hilfe an mehrere Kollegen abschicken können, berichtete der Sender Echo Moskwy.

Nun sei Kanygins Telefon nicht mehr erreichbar. Für die vom Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow mitgegründete "Nowaja Gaseta" hatte auch die 2006 ermordete Kremlkritikerin Anna Politkowskaja gearbeitet.

Burkhalter bei EU-Aussenministern

In Brüssel treffen sich heute die EU-Aussenminister, um über den Ukraine-Konflikt zu beraten. Bundespräsident Didier Burkhalter nimmt in seiner Funktion als OSZE-Vorsitzender an dem Treffen teil. Er wird vor den Ministern seinen Plan für das weitere Vorgehen zur Entschärfung der Ukraine-Krise erläutern. Diese wollen sich aus erster Hand vom Vorsitzenden der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) über dessen Vier-Punkte-Plan informieren.

Der Schweizer Aussenminister hatte sich am vergangenen Mittwoch bei seinem Besuch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau für einen Vier-Punkte-Plan ausgesprochen. Darin fordert er Waffenruhe, Entwaffnung der Separatisten, Aufnahme eines nationalen Dialogs sowie die Abhaltung der Präsidentschaftswahlen.

Die EU-Aussenminister entscheiden ausserdem über mögliche Verschärfungen der Sanktionen. Bis anhin hat die EU 48 Personen aus der Ukraine und Russland mit Einreiseverboten und Kontosperrungen belegt. Zur Diskussion steht ebenfalls eine Ausweitung der Kriterien, so dass künftig auch Ukrainer und Russen sanktioniert werden können, die internationale Organisationen wie die OSZE bei ihrer Arbeit behindert haben. Dadurch würden auch Vermögenssperren von Unternehmen möglich, die von der Krim-Annexion durch Russland profitiert haben.