Terror in Stockholm

Vier Tote, zwölf Verletzte ++ Polizei fahndet weiter: Der Verhaftete ist nicht der Täter

Beim Terroranschlag mit einem Lastwagen in Stockholm sind am Freitag laut schwedischen Medien vier Menschen ums Leben gekommen. Das berichteten mehrere Zeitungen unter Berufung auf die Nachrichtenagentur TT. Am Abend nahm die Polizei einen Mann fest. Dieser stellte sich aber nicht als Täter heraus – die Fahndung wird fortgesetzt.

Am Freitagnachmittag war in der schwedischen Hauptstadt ein Lastwagen in einer grossen Einkaufsstrasse zunächst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus gerast. Es gab mindestens vier Tote und viele Verletzte. Die genaue Zahl war weiterhin unklar.

Mindestens 15 Menschen seien verletzt worden, bestätigte der Chefarzt des Karolinska-Instituts bei Stockholm dem Sender Radio Schweden am Freitag. Andere Medien berichteten von 12 Verletzten.

Nach dem Terroranschlag fahndet die Polizei weiter nach dem Täter. Ein am Freitagabend in einem Vorort der schwedischen Hauptstadt festgenommener Mann sei nicht derjenige, der den Lastwagen durch eine Menschenmenge in der Innenstadt gesteuert habe, erklärte ein Polizeisprecher an einer Pressekonferenz.

Stockholmer Polizei spricht von "Arbeitshypothese einer Terrortat"

Bei der Lastwagen-Attacke von Stockholm geht die Polizei von einem Terroranschlag aus. Das bestätigte ein Sprecher am Freitagabend auf einer Medienkonferenz. "Wir haben eine Arbeitshypothese, dass das hier eine Terrortat ist", sagte Sprecher Stefan Hector.

Ein weiterer Sprecher sagte: "Wir haben eine Anzahl von Personen kontrolliert, die interessant waren, und vor einer Weile eine Person festgenommen, an der wir besonders interessiert sind."

Unterdessen sprach der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven den Angehörigen und Opfern Mut zu. "Ihr sollt wissen, dass ganz Schweden hinter euch steht", sagte Löfven am Freitagabend auf einer Pressekonferenz.

Schweden könne stolz auf die Menschen sein, die ihre Häuser für die geöffnet hätten, die am Freitag nicht nach Hause kommen konnten. "Das ganze Land steht zusammen", sagte Löfven. "Jetzt müssen wir unser Mitgefühl mit den Betroffenen zeigen."

Mit LkW in Menschenmenge

Ein Attentäter ist in Stockholm mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge vor einem Kaufhaus gerast und hat mehrere Menschen getötet. Zahlreiche weitere Passanten wurden nach Geheimdienstangaben verletzt.

"Schweden wurde angegriffen", erklärte Ministerpräsident Stefan Löfven. "Alles deutet auf einen Terroranschlag hin."

Der Anschlag ereignete sich am Freitag gegen 15.00 Uhr fuhr auf der grössten Einkaufsstrasse der schwedischen Hauptstadt. Der Laster raste in die Menge und kam erst in der Fassade des Kaufhauses "Ahlens" in der Einkaufsstrasse Drottninggatan zum Stehen. Nach Angaben der Spedition Spendrups war der Lkw zuvor während einer Lieferfahrt zu einem Restaurant gestohlen worden.

Die schwedische Polizei fahndet nach diesem Mann.

Dicker Rauch stieg am Anschlagsort auf, die Polizei sperrte die gesamte Umgebung ab. Polizeiautos fuhren durch die Stadt und forderten die Bewohner per Lautsprecherdurchsage auf, sofort nach Hause zurückzukehren und Menschenmengen zu meiden. Helikopter kreisten über dem Stadtzentrum.

Da sich der Anschlag oberhalb der zentralen U-Bahnstation T-Centralen ereignete, brach der U-Bahnverkehr in Stockholm weitgehend zusammen. Kurze Zeit später wurde der komplette U-Bahn-Verkehr eingestellt.

LKW rast in Menschenmenge in Stockholm: Bilder vom Ort des Geschehens.

LKW rast in Menschenmenge in Stockholm: Bilder vom Ort des Geschehens.

Die schwedischen Sicherheitsbehörden riegelten Medienberichten zufolge wichtige Gebäude in der Innenstadt ab. Der Gebäudekomplex Rosenbad, Sitz der schwedischen Regierung, das Parlamentsgebäude und das Königsschloss wurden demnach von der Polizei abgesperrt.

Ausmass der Tat noch unklar

Der Täter war mehrere Stunden nach dem Anschlag noch auf freiem Fuss. Die Polizei sucht nach einem Mann, der zur fraglichen Zeit am Tatort gesehen worden sein soll. "Mit dieser Person würden wir gern in Kontakt kommen", sagte Reichspolizeichef Dan Eliasson bei einer Pressekonferenz. Er zeigte Bilder, auf denen ein Mann in einer Kapuzenjacke zu sehen war.

Das Ausmass der Tat war am Abend noch unklar. "Wir wissen nicht, ob es eine Einzeltat ist oder ob wir mit mehr rechnen müssen", sagte Eliasson. Zur Zahl der Toten und Verletzten konnte er noch keine genauen Angaben machen. "Es gibt so viele Aussagen, die kursieren, deshalb ist es besser zu warten", fügte er hinzu.

"Wir tun alles, was wir können, um Klarheit in die Ereignisse zu bringen", versprach der Chef der Sicherheitspolizei, Anders Thornberg. "Wir werden jeden Stein einzeln umdrehen."

Bestürzung im In- und Ausland

Die schwedische Königsfamilie reagierte schockiert auf den Anschlag: "Ich und die gesamte Königsfamilie haben mit grösster Bestürzung die Informationen über das Attentat am Nachmittag in Stockholm entgegengenommen", schrieb König Carl XVI. Gustaf auf der Homepage der Königsfamilie. "Wir folgen der Entwicklung, aber vorerst gehen unsere Gedanken an die Getöteten und deren Familien."

Auch europäische Politiker reagierten bestürzt. "Ein Angriff auf einen unserer Mitgliedsstaaten ist ein Angriff auf uns alle", erklärte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am in Brüssel. Schweden könne auf Solidarität und jede erdenkliche Hilfe zählen. "Unsere Gedanken sind beim schwedischen Volk", erklärte Juncker.

Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel und sein französischer Amtskollege Jean-Marc Ayrault sprachen Schweden ihr Mitgefühl aus. "In diesen schweren Stunden stehen wir an der Seite unserer schwedischen Freunde", erklärten die beiden Minister. "Wir bangen mit den Schwedinnen und Schweden und sind in Gedanken bei ihnen, bei den Opfern und ihren Familien und Freunden."

"Tief betrübt über die tragischen Ereignisse" in Stockholm ist auch der österreichische Aussenminister Sebastian Kurz. "Stehen in dieser Stunde der Trauer SWE-Freunden bei; werden allen Formen des Terrorismus gemeinsam begegnen", formulierte er auf dem Kurzbotschaftendienst.

Mehrere Anschläge mit Fahrzeugen

In den vergangenen Monaten waren in mehreren europäischen Ländern islamistische Anschläge mit Fahrzeugen verübt worden. Der folgenschwerste ereignete sich am 14. Juli 2016 in Nizza: 86 Menschen wurden getötet, als ein Attentäter mit einem Lastwagen in die Menschenmenge während der Feiern zum Nationalfeiertag fuhr.

Beim Lkw-Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche am 19. Dezember 2016 starben zwölf Menschen. Der aus Tunesien stammende Attentäter Anis Amri hatte den Lastwagen gestohlen.

In der britischen Hauptstadt London steuerte am 22. März ein Angreifer ein Auto in eine Gruppe von Passanten und erstach anschliessend einen Polizisten. Sechst Menschen wurden bei dem Anschlag getötet, darunter der Attentäter.

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