Harold Bornstein hätte wohl besser geschwiegen. Doch im Frühjahr 2017 entschied sich der langjährige Vertrauensarzt des neuen amerikanischen Präsidenten, über seinen prominentesten Patienten mit der «New York Times» zu sprechen. Dabei verriet der 70-jährige Bornstein auch, dass er Donald Trump ein Steroid verschrieben habe, das den Haarwuchs fördere. Bei ihm, sagte der Doktor, mit Verweis auf seine schulterlange Mähne, habe das Medikament Wunder gewirkt. «Ich habe noch alle meine Haare.»

Zwei Tage nach der Publikation dieses Interviews am 1. Februar 2017 kreuzten drei Vertraute des heute 71-jährigen Präsidenten in der Praxis von Doktor Bornstein auf – darunter der langjährige Bodyguard Trumps, Keith Schiller. Sie hätten ultimativ die Übergabe sämtlicher Behandlungsunterlagen des Präsidenten verlangt, sagte Bornstein zu Wochenbeginn dem Fernsehsender «NBC». Die Episode, die ungefähr 30 Minuten dauerte, habe ihn «vergewaltigt, verängstigt und traurig» zurückgelassen.

Das Weisse Haus wies diese Darstellung allerdings als falsch zurück. Es sei Praxis, dass sämtliche ärztliche Unterlagen des neuen Präsidenten in den Besitz der zuständigen Abteilung im Weissen Haus übergingen, sagte Trumps Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders. Von einer «Razzia» oder einem «Überfall», wie von Doktor Bornstein beschrieben, könne keine Rede sein. Involvierte Kreise sagten dem Nachrichtensender «CNN», dass der Arzt die Ereignisse wohl etwas zugespitzt habe.

Enttäuschte Hoffnung

Und vielleicht erklärt eine andere Episode, warum Bornstein ausgerechnet diese Woche sein Schweigen bracht. Demnach hatte sich der New Yorker Arzt Hoffnungen gemacht, Trump nach Washington zu folgen und zum Leibarzt des Präsidenten befördert zu werden. Nachdem er aber mit der «Times» geplaudert habe, sei ihm von einer Vertrauten Trumps beschieden worden, dass er seine Pläne begraben könne, erzählte Bornstein.

Bornstein sagte «NBC» auch, dass ihm ein geradezu legendärer Brief, mit dem er im Wahlkampf 2016 dem Rest des Landes versichert hatte, dass Trump kerngesund sei, vom späteren Präsidenten diktiert worden sei. Und er behauptete, im Gespräch mit dem Sender «CBS», dass die gesamte Geschichte Erinnerungen an «Watergate» wecke – als laufe Präsident Trump Gefahr, über ein Haarwuchsmittel zu stürzen. Der trockene Kommentar des Komikers Stephen Colbert: «Es sollte Trump nicht peinlich sein, dass er ein Haarwuchsmittel einnimmt. Er sollte vielmehr wütend darüber sein, dass es nicht wirkt.»