Vor allem im Nahen Osten gilt es als ausgemacht, dass die USA die Anschläge inszenierten und dem Terrornetzwerk Al-Kaida in die Schuhe schoben.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad behauptete mehrmals, die Terroranschläge seien eine «grosse Lüge» gewesen und hätten den USA als Vorwand gedient, Afghanistan und den Irak anzugreifen. Ähnlich äusserten sich Kubas Revolutionsführer Fidel Castro oder Venezuelas Staatschef Hugo Chávez.

Unwissen, Mitwissen oder Absicht?

Doch auch in den USA mutmassten Kritiker, das Pentagon oder die CIA habe die Anschläge absichtlich geschehen lassen oder gar selbst geplant und ausgeführt. Viele Verschwörungstheorien befassen sich mit einer angeblich kontrollierten Sprengung der Zwillingstürme mit Thermit - nur deshalb seien sie zusammengebrochen.

Ein besonderes Rätsel gibt das WTC 7 auf. Das dritte Hochhaus neben den «Twin Towers» wurde von den Flugzeugen der Attentäter nicht direkt getroffen und fiel dennoch nach stundenlangem Brand fast in Fallgeschwindigkeit in sich zusammen - für manchen Bauexperten Beleg genug für eine absichtliche Sprengung.

Im offiziellen Untersuchungsbericht des US-Kongresses wurde das Gebäude überhaupt nicht erwähnt, was die Spekulationen zusätzlich anheizte. Modellberechnungen des National Institute of Standards and Technology (NIST) ergaben später, dass ein lang andauernder Brand das Hochhaus zum Einsturz brachte. Um Gewissheit zu haben müsste man die Überreste der Stahlträger untersuchen, sagen Kritiker. Doch die wurden zusammen mit dem restlichen Schutt weggeschafft.

Insider-Handel, Raketen-Beschuss, «Able Danger»

Die meisten Zweifler tummeln sich im Internet. Da ist unter anderem von einem angeblichen Insider-Handel an der Wall Street unmittelbar vor dem Anschlag die Rede; und es wird die Frage gestellt, warum die Luftabwehr an dem Tag nicht eingriff.

Auch der Anschlag auf das Pentagon wird in Zweifel gezogen. Nicht ein Flugzeug habe die Zerstörungen dort verursacht, sondern eine Rakete, heisst es. Als Beleg wird immer wieder angeführt, das Loch in der Mauer des Gebäudes sei viel zu klein gewesen, als dass es von einer Boeing stammen könnte.

Ausserdem wird darüber gerätselt, weshalb die US-Regierung trotz zahlreicher Warnungen von Geheimdienste nicht reagiert habe. Auch wird behauptet, das Pentagon habe die Attentäter um Mohammed Atta bereits vor den Anschlägen im Rahmen der Geheimoperation «Able Danger» überwacht.

Unvorstellbarer Zynismus

Eine Inszenierung der Anschläge wäre dermassen komplex gewesen und hätte eine so grosse Zahl an Mittätern impliziert, dass dies früher oder später ans Licht gekommen wäre, kontern die Gegner. Zudem wird der US-Regierung von George W. Bush ein solch grenzenloser Zynismus, im eigenen Land fast 3000 Menschen zu ermorden, nicht zugetraut.

Ein Ende der Spekulationen ist nicht in Sicht. Denn jede Aussage von offiziellen Stellen wird sofort wieder angezweifelt und bietet Stoff für neue Verschwörungstheorien. Den Mutmassungen über die Anschläge des 11. Septembers dürfte eine lange Lebensdauer bevorstehen, ähnlich denen über das Kennedy-Attentat oder die Mondlandung. (sda)