Am 16. März 1988, starben in der mehrheitlich von Kurden bewohnten irakischen Stadt Halabdscha bis zu 5000 Menschen. Sie wurden Opfer eines Giftgas-Angriffs der irakischen Truppen, die sich im Krieg mit Iran befanden. «Halabdscha» gilt als der bislang schlimmste Einsatz von chemischen Kampfstoffen seit dem Zweiten Weltkrieg.

Wie jetzt bekannt wird, wussten die USA, die im iranisch-irakischen Krieg auf der Seite von Iraks Präsidenten Saddam Hussein standen, von den Giftgas-Einsätzen der Iraker. Und das seit 1983, wie das US-Magazin «Foreign Policy» (FP) aufgrund neu veröffentlichter Regierungsdokumente berichtet.

Daraus geht hervor, dass die Amerikaner über das Ausmass des irakischen C-Waffeneinsatzes stets informiert waren. «Die Iraker mussten uns nicht sagen, dass sie C-Kampfstoffe einsetzen werden. Wir wussten es», zitiert FP Oberst Rick Francona, der zu jener Zeit Militärattaché in Bagdad war. 1988, in der Schlussphase des Krieges, standen die Iraner vor den Toren Basras. Die USA befürchteten, dass die iranischen Truppen durch die irakischen Linien brechen und den Krieg für sich entscheiden könnten.

Deshalb versorgten sie Saddams Militär mit sämtlichen geheimdienstlichen Informationen über die iranischen Truppenbewegungen. «Ein iranischer Sieg ist inakzeptabel», schrieb Präsident Ronald Reagan. Er und seine Regierung nahmen dabei billigend in Kauf, dass Saddam auch Giftgas einsetzte.