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US-Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren ist im Aufwind – dafür gibt es einen guten Grund

Elizabeth Warren (70) hat gegenüber ihrer Konkurrenz Boden gut gemacht.

Elizabeth Warren (70) hat gegenüber ihrer Konkurrenz Boden gut gemacht.

In Umfragen hat die demokratische Kandidatin zu Favorit Joe Biden aufgeschlossen. Mit ihrem Kommunikationstalent kann sich Warren von ihrer Konkurrenz abheben: Es gelingt ihr, komplexe politische Probleme in einfachen Worten zu erklären.

Dieses Mal war die demokratische Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren vorbereitet. Eine konservative Onlinezeitung hinterfragte vor einigen Tagen einen Eckpfeiler ihrer Biografie. Sie behauptete, Warren sage über das abrupte Ende ihrer Tätigkeit als Sprachtherapeutin nicht die Wahrheit. Warren ging daraufhin in die Gegenoffensive. Sie stellte sich den neugierigen Reporterfragen und gab Aufschluss über die Episode im Jahr 1971. Dabei wiederholte sie ihren Vorwurf, sie sei damals, als 21-Jährige, entlassen worden, weil sie hochschwanger gewesen sei. «Der Schulleiter tat, was meiner Meinung nach damals viele Schulleiter taten – er wünschte mir alles Gute und stellte jemand anderen für den Job an», schrieb Warren in ihren 2014 publizierten Memoiren.

Warren hat grosses Kommunikationstalent

Mit ihrem schnellen Konter verhinderte Warren auch, dass die Berichterstattung über ihren Wahlkampf erneut von einer Kontroverse dominiert wurde – so wie dies zu Beginn ihrer Kandidatur geschehen war. Sie hatte probiert, mithilfe eines Gentests zu beweisen, dass sich Ureinwohner Amerikas unter ihren Vorfahren in Oklahoma befänden. Dieser Versuch, mit dem sie auch ihren konservativen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen wollte, endete mit einer Entschuldigung Warrens, nachdem sich Ureinwohner bei ihr beschwerten. Diese Episoden zeigen nicht nur, dass die 70-jährige Elizabeth Warren eine lernfähige Politikerin ist. Und das obwohl die Rechtsprofessorin doch erst spät in ihrer Karriere, mit der Wahl zur Senatorin von Massachusetts im Jahr 2012, die politische Bühne betrat.

Sie zeigen auch, dass es derzeit nur wenige führende Demokraten gibt, die es mit ihrem Kommunikationstalent aufnehmen können. Dank zahllosen Auftritten, zuerst als Expertin für das komplexe Konkursrecht Amerikas, später als Konsumentenschützerin und heute als Senatorin, ist Warren geübt darin, komplexe Zusammenhänge in einfachen Worten zu erklären. So gelang es ihr in den vergangenen Monaten, die linkspopulistische Forderung, auf bundesstaatlicher Ebene Vermögen von über 50 Millionen Dollar zu besteuern, auf einen knackigen Spruch zu reduzieren: Superreiche Amerikaner müssten eine Abgabe für «ihre Diamanten, ihre Jachten und ihre Rembrandts» leisten. Schliesslich bezahlten die Mitglieder der amerikanischen Mittelklasse schon lange eine Steuer auf ihren grössten Vermögensposten, ihre Liegenschaften.

Auch Warrens lange Lehrtätigkeit, unter anderem in Texas, Philadelphia und Massachusetts, kommt ihr in spontanen Situationen zugute. An einer Podiumsdiskussion auf dem Nachrichtensender CNN wurde sie gefragt, was sie denn einem religiösen Amerikaner sagen würde, der darauf beharre, dass Eheschliessungen heterosexuellen Paaren vorbehalten seien und dass ein Mann eine Frau heiraten müsse. Sie nehme an, antwortete Warren, ohne eine Miene zu verziehen, dass es sich bei diesem fiktiven Kritiker um einen Mann handle und sie kein Problem damit habe, wenn er nur eine Frau heirate. Dann machte sie eine Kunstpause und sagte zur grossen Freude des Publikums: «Falls er denn eine Frau findet, die ihn heiraten will.»

Kontrast zu Joe Biden und Bernie Sanders

Aktuelle Meinungsumfragen zeigen, dass Warren Rückenwind verspürt. Inzwischen ist sie bis zum bisher führenden Präsidentschaftskandidaten Joe Biden (76) aufgeschlossen. Das auch, weil es ihr gelang, frühere Anhänger von Bernie Sanders (78) von ihren Qualitäten zu überzeugen. Es ist anzunehmen, dass Biden und Sanders während der Fernsehdebatte der zwölf führenden Präsidentschaftskandidaten, die morgen Dienstag auf CNN ausgestrahlt wird, einen Kontrast zu Elizabeth Warren bilden werden. So präsentierte sich Joe Biden jüngst als ein Politiker, der Regierungserfahrung besitze und nicht nur Pläne wälze. Das war gemeint als Seitenhieb gegen den inoffiziellen Wahlslogan von Elizabeth Warren («I have a plan for that»), die zu fast sämtlichen drängenden politischen Fragen in den USA ein Positionspapier vorlegen kann.

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