USA

US-Häftling Troy Davis trotz weltweiter Proteste hingerichtet

Gegner der Todesstrafe trauern vor dem Weissen Haus in Washington

Gegner der Todesstrafe trauern vor dem Weissen Haus in Washington

Troy Davis ist tot. Trotz weltweiter Proteste wurde der wegen Polizistenmordes verurteilte schwarze Amerikaner am Mittwochabend (Ortszeit) im US-Staat Georgia hingerichtet. Davis, der 20 Jahre lang in der Todeszelle sass, starb im Staatsgefängnis Jackson.

"Alles was ich fordere ist, dass ihr diesen Fall eingehender untersucht, damit ihr am Ende die Wahrheit erkennt", sagte Davis unmittelbar vor seiner Hinrichtung. Er beteuerte erneut seine Unschuld.

Der Mord an dem Polizisten Mark MacPhail 1989 "war nicht meine Schuld, ich hatte keine Waffe", sagte er laut einer Journalistin. "An die, die mir das Leben nehmen wollen, möge Gott Euch segnen." Um 23.08 Uhr (Ortszeit) starb er auf einer Trage liegend durch eine Giftspritze.

Bis zuletzt um Aufschub gekämpft

Bis zuletzt hatten die Anwälte des 42-Jährigen für einen Aufschub der Exekution gekämpft. Als letztes Mittel riefen sie keine halbe Stunde vor dem Hinrichtungstermin den obersten US-Gerichtshof in Washington an.

Die neun Richter des Supreme Courts benötigten mehrere Stunden, um den Antrag der Verteidigung abzulehnen. In der Zeit warteten Hunderte Menschen gebannt vor dem Gefängnis.

Sie protestierten mit Schildern und Sprechchören, riefen immer wieder "Todesstrafe? Zur Hölle nein!" und "Befreit Troy Davis", wie Fernsehbilder zeigten. Auch Davis' anwesende Familienmitglieder zögerten bis zuletzt. Ein ungewöhnlich grosses Aufgebot von Polizisten in Kampfausrüstung beobachtete die Lage.

Auch vor dem Weissen Haus in Washington hatten zuvor rund 100 Menschen für Davis demonstriert. Prominente wie der Musiker Sean Diddy Combs ("P. Diddy") und das Starlet Kim Kardashian sprachen sich am Mittwoch im Kurznachrichtendienst Twitter gegen seine Tötung aus.

Keine Beweise

Der Schwarze soll 1989 in Savannah (Georgia) einen jungen weissen Polizeibeamten umgebracht haben, der einem am Boden liegenden Obdachlosen helfen wollte. Die meisten Hauptzeugen hatten seit dem Mordprozess im Jahr 1991 ihre Aussage widerrufen oder abgeändert.

Zudem tauchten neue Zeugen auf, nach deren Angaben sich ein anderer Mann zu der Tat bekannt hat. Die Tatwaffe war seinerzeit nie gefunden worden. Es gab auch keine physischen Beweise wie Genspuren.

Menschen in allen Teilen der Welt hatten sich für eine Verschonung Davis' eingesetzt. Fast eine Million unterzeichneten eine Petition, die Gnade forderte.

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