„Hättest du geglaubt, dass Trump seine Wahlversprechen so schnell umsetzt?“, wollte TalkTäglich-Moderator Markus Gilli als erstes von dem Talk-Gast, dem USA-Experten Erich Gysling, wissen. Dieser entgegnete: „Leider ja. Er tickt einfach anders und das müssen wir endlich erkennen. "Er will das Polit-Establishment Lügen strafen und beweisen, dass man sehr schnell handeln kann. Und seine Wähler wollen das ja auch.“

Zudem ergänzt Gysling, dass Trumps Gradlinigkeit einen falschen Eindruck vermittle: „Die Welt ist nicht so. Sie ist voller Widersprüche und Komplikationen. Und je mehr Dekrete er unterschreibt, umso mehr bekommen wir das Gefühl, dass er sich entweder dieser Komplexität nicht bewusst ist – oder es ist ihm egal.“

Mit dem Dekret gegen den Einreisestop für Musilme traf Trump einen politischen Nerv. Gysling analysiert dieses Vorgehen klar: „Aus den Ländern, die er gebannt hat, aus denen kamen keine Terroristen in die USA. Es wirkt nach einer sehr willkürlichen Auswahl – oder eben genau nicht. Er hat die Länder, mit denen die USA wichtige Geschäfte macht, also etwa Saudi Arabien, die Emirate oder Ägypten, ausgelassen.“

So sieht Gysling nicht zwingend ein religiöses Motiv dahinter, vielmehr vergleicht er es etwa mit der Minarett-Verbot-Initiative in der Schweiz. Er weiss, dass im Land eine Anti-Islam-Stimmung herrscht und macht sich das zunutze.

Kein Volksaufstand

Auch, dass es sich beim nun blockierten Irak um einen de facto Verbündeten der USA handelt, zeigt der Buchautor und Publizist Gysling auf: 50'000 US-Amerikaner sind als Helfer und Inspiratoren im Kampf gegen den IS dort stationiert. Hier zeige sich die Komplexität: Nun überlegen sich die Iraker, ebenfalls keine US-Amerikaner mehr ins Land zu lassen. Dann wären die ganzen Personal-Rotationen blockiert.

Kann die Politik Trumps den islamistischen Terror stärken, möchte Moderator Gilli noch wissen. Durchaus, sagt Gysling: „Immer mehr Radikale, wie etwa Baghdadi, der Kopf des IS, können so ein Feindbild Amerika glänzend aufbauen, genau dank dem, was Trump unternimmt.“

Doch nicht nur in anderen Ländern, auch in den USA selbst wächst der Widerstand gegen Trump. Schon nach seiner Vereidigung gingen rund eine halbe Million auf die Strassen, nach dem Einreise-Dekret sind es wieder Zehntausende. „Beim arabischen Frühling sprach man mit insgesamt 2,5 Millionen Demonstranten in Ägypten von einer Volksbewegung. Ägypten hat 80 Millionen Einwohner. In den USA sind es 300 Millionen. Da ist man noch lange von einem Volksaufstand entfernt.“

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