Aus seiner Sicht bestehe "kein Zweifel" daran, dass die Zahl der Toten "in die tausende" gehe, sagte der stellvertretende Leiter der UNO-Mission im Südsudan (UNMISS), Toby Lanzer, vor Journalisten in der Hauptstadt Juba.

Seit Tagen wird die offizielle Opferzahl mit 500 angegeben. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen äusserten aber die Befürchtung, dass die Zahl weit höher ist. Augenzeugen berichteten zudem von Gräueltaten wie gezielten ethnischen Massentötungen und Vergewaltigungen.

Massengräber gefunden

Zuvor hatte die UNO von Massengräbern im Südsudan gesprochen. Nach Angaben der UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay entdeckten UNO-Mitarbeiter ein Massengrab in Bentiu im ölreichen Bundesstaat Unity. Ausserdem gebe es Berichte über zwei Massengräber in Juba.

Seit Beginn der Kämpfe vor gut einer Woche habe es Massenexekutionen ohne jedes Gerichtsverfahren gegeben. Menschen würden aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit verfolgt, auch gebe es willkürliche Verhaftungen.

Besorgt äusserte sich Pillay auch über das Schicksal hunderter Zivilisten, die in den vergangenen Tagen bei Razzien in Juba verschleppt wurden. Mehrere hundert Angehörige der Polizeikräfte seien ebenfalls festgenommen worden.

Berichte über Kriegsverbrechen

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte die kriegführenden Parteien im Südsudan zuvor gewarnt, Berichte über Kriegsverbrechen würden untersucht. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen.

Im nordostafrikanischen Staat Südsudan war vor gut einer Woche ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem früheren Stellvertreter Riek Machar eskaliert, die den verfeindeten Volksgruppen der Dinka und Nuer angehören.

Seitdem eroberten die Aufständischen mehrere Städte, hunderte Menschen wurden getötet, zehntausende in die Flucht getrieben.

Machar

signalisiert Verhandlungsbereitschaft

Machar erklärte sich inzwischen bereit, mit dem Präsidenten in Verhandlungen einzutreten. "Ja, wir sind zu Gesprächen bereit, ich habe meine Delegation gebildet", sagte Machar am Dienstag dem französischen Sender Radio France Internationale (RFI). Die Verhandlungen zur Beendigung des Blutvergiessens könnten in Äthiopien stattfinden.

Seine Bereitschaft zu Verhandlungen habe er auch gegenüber US-Aussenminister John Kerry geäussert, sagte Machar. "Wir wollen eine demokratische Nation. Wir wollen demokratische, freie und faire Wahlen. Wir wollen von Salva Kiir, dass er abtritt."

Westliche Staaten wie Deutschland, Grossbritannien und die USA liessen eigene Staatsangehörige aus dem Krisenland ausfliegen. Die Regierung in Washington warnte, das Land stehe am Rande eines Bürgerkriegs.