Im Grossraum Bangkok ist es in den letzten Wochen zu den heftigsten Demonstrationen und Besetzungen öffentlicher Gebäude seit dem Frühjahr 2010 gekommen. Damals wurden bei der Niederschlagung wochenlanger Demonstrationen von Thaksin-Anhängern gegen die damalige Regierung mehr als 90 Menschen getötet und etwa 1900 weitere verletzt.

Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stellt in seinen aktualisierten Reisehinweisen für Thailand fest, dass Demonstrationen und gewalttätige Auseinandersetzungen im ganzen Land, insbesondere in der Region Bangkok, möglich seien. Das EDA beruft sich auf thailändischen Sicherheitskräfte, die wiederholt auf das Risiko von Anschlägen und Sabotageakten hingewiesen hätten.

Tour Operator beruhigen

Die Schweizer Tour Operator Hotelplan, Kuoni und Tui Suisse beruhigen auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die aktuellen Demonstrationen fänden mehrheitlich in Gebieten oder Regierungsquartieren statt, die nicht von Touristen besucht würden, heisst es. Es bestehe daher kein Grund zur Sorge für Kunden in Bangkok und in ganz Thailand. Touristische Orte seien sicher.

Die aktuellen Unruhen kommen für die Reisekonzerne dennoch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Immer mehr Schweizer verbringen nämlich ihre Winterferien in Thailand. Hotelplan spricht von einem stetigen Anstieg der Nachfrage seit rund zwei Jahren. Aktuell liege die Zunahme im Vergleich zum Vorjahr im hohen einstelligen Bereich.

Boomende Reisedestination

Bei Tui Suisse haben die Buchungen innert Jahresfrist gar zweistellig zugenommen, wie Sprecher Roland Schmid erklärt. Thailand gehöre seit Jahren zu den beliebtesten Zielen von Schweizern. Derzeit seien zwischen 300 und 400 Kunden von Tui Suisse in Thailand.

Auch bei Kuoni liegen die Buchungsstände für Thailand derzeit im zweistelligen Prozentbereich über dem Vorjahreswert, wie Kuoni-Sprecher Julian Chan feststellt.

Die Schweizer Reiseanbieter verfolgen daher nach eigenen Angaben die Lage in Thailand sehr aufmerksam, um ihre Kunden, sollte sich die Situation verschärfen, aktiv und rechtzeitig zu informieren.

Stornierungen oder Umbuchungen hat es bei den drei Reiseanbietern bisher nicht mehr als üblich gegeben. "Wir erwarten keinen Rückgang bei den Thailand-Reisen, sofern sich die Situation nicht zuspitzt", betont Hotelplan-Sprecherin Prisca Hugenin-dit-Lenoir.

Die genauen Orte der aktuellen Proteste sind laut EDA nicht vorhersehbar und Streiks können nicht ausgeschlossen werden. Die mobile Kommunikation könne gebietsweise eingeschränkt sein und es könne zu massiven Verkehrsbehinderungen kommen, auch im internationale Luftverkehr.

Courant normal an Flughäfen in Bangkok

Individualreisende und Rundreise-Kunden starten ihre Thailand-Ferien mehrheitlich in Bangkok. Badeferien-Kunden fliegen meistens direkt an den Zielflughafen, etwa nach Phuket und müssen nicht in Bangkok umsteigen.

Im Moment sind die Flughäfen Bangkoks nach Angaben der Reisekonzerne normal und ohne Einschränkungen in Betrieb. Sollte sich die Situation für die Touristen ändern, wie dies vor rund vier Jahren der Fall gewesen sei, werde sofort reagiert. Die Sicherheitsvorkehrungen seien aber inzwischen massiv verschärft worden, erklären die Veranstalter.

Als Reiseveranstalter sei man seit mehreren Jahren "krisenerprobt" und habe selbstverständlich einen Notfall-Plan. Aufgrund der aktuellen Situation habe der Krisenstab aber noch nicht aufgeboten werden müssen, heisst es stellvertretend bei Hotelplan.

Die Reiseveranstalter erinnern an die EDA-Verhaltensempfehlungen. Das EDA rät Thailand-Touristen den Anweisungen der Behörden zu folgen, genügend Zeit und finanzielle Mittel einzuplanen, im Kontakt mit dem Reiseveranstalter zu bleiben sowie Demonstrationen und grössere Menschenansammlungen zu meiden.

Allerdings spitzte sich die Lage am Wochenende zu. Bei den regierungsfeindlichen Protesten sind bis Sonntagnachmittag zwei Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Inwiefern sich dies auch auf die Empfehlungen des EDA auswirken wird, war am Sonntag noch nicht abschätzbar.