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Umbruch in der Streaming-Welt: Amazon greift Spotify an

Einmal mehr bringt der Gigang Amzazon einen Konkurrenten in Bedrägnis.

Einmal mehr bringt der Gigang Amzazon einen Konkurrenten in Bedrägnis.

Amazon startet ein gratis Musik-Streamingangebot – eine Kampfansage.

Streaming-Dienste sind grosser Konkurrenz ausgesetzt. Vor kurzem starteten Apple und Disney ihre eigenen ­Video-Streaming-Angebote. Für den grössten Anbieter Netflix könnte es deshalb ungemütlicher werden. Beispielsweise mit HBO Max stehen zudem noch mehr Konkurrenten bereit.

In der Musikbranche kommen ebenfalls neue Anbieter auf den Markt. Jüngstes Beispiel ist Amazon: Musikstreaming war beim US-Unternehmen bisher nur gegen Bezahlung möglich, jetzt lanciert die Firma eine kostenlose Variante. Damit könnte Amazon den bisherigen Platzhirschen Spotify in ­Bedrängnis bringen, der derzeit weltweit auf 248 Millionen Nutzer kommt. 113 Millionen davon zahlen für den Dienst.

Eingeblendete Werbung und limitierte Playlisten

Vorerst gibt es den neuen Streamingdienst von Amazon erst für Kunden in den USA, England und Deutschland. Dies berichteten am Dienstag mehrere ­deutsche Medien. Amazon übernimmt dabei das bewährte Konzept des schwedischen Unternehmens Spotify: Die ­Finanzierung des kostenlosen Angebots wird durch Werbung gesichert. Zudem gibt es mehrere Stufen der kostenpflichtigen Variante. Das Angebot ist auch auf Smartphones und auf Tablets verfügbar.

Nach der Ankündigung von ­Amazon büsste die Aktie von Spotify um rund fünf Prozent ein. Mittlerweile haben die Titel wieder leicht ins Plus gedreht. Laut Beobachtern ist Spotify mit einem Marktanteil von knapp einem Drittel weltweit die klare ­Nummer Eins in Sachen Musikstreaming. Im dritten Quartal ist die Zahl der Abonnenten weiter gestiegen. Amazon dagegen kommt auf einen Marktanteil von rund zwölf Prozent und liegt damit hinter Apple Music auf Platz drei. Danach folgen kleinere ­Anbieter wie Deezer aus Frankreich oder Pandora.

Ob der neue Dienst von Amazon ein ernsthafter Konkurrent für den Marktführer Spotify sein wird, ist noch offen. Anders als Spotify schränkt Amazon die Musikbibliothek für nicht zahlende Nutzer deutlich sein. Lediglich vom US-Unternehmen ausgewählte Playlisten und Radiosender sind zugänglich. Wie viele Titel freigeschaltet sind, gab Amazon nicht bekannt.

Besonders kleineren Anbietern könnte die Kampfansage von Amazon aber Sorgen bereiten. Die finanzstarken Tech-Konzerne wie Amazon und Apple nutzen Musik oft nur als Begleitgeschäft und nehmen Verluste in Kauf. Denn bis heute lässt sich mit Musikstreaming kaum Geld verdienen. So erwirtschaftete der Börsenneuling Spotify in den ersten neun Monaten einen Umsatz von 4,9 Milliarden Euro, erzielte dabei aber lediglich einen Gewinn von 42 Millionen. Deezer steckt derweil noch immer in den roten Zahlen. Die Anbieter versuchen sich nun zunehmend mit eigenen Podcasts und Sendungen voneinander abzugrenzen.

Investoren sagen der Branche enormes Potenzial voraus

Boomend ist der Markt dennoch – gerade für die jüngeren Konsumenten ist Musikstreaming heute nicht mehr wegzudenken. Ihre durchschnittliche Nutzungszeit liegt um die zwei Stunden pro Tag. Laut der US-Investmentbank Goldman Sachs hat der Markt ein enormes Potenzial. Sie erwartet, dass die Kunden im Jahr 2030 insgesamt 41 Milliarden Dollar für Musik ausgeben werden, 34 Milliarden davon sollen auf die Streaming-Branche entfallen.

Autor

Gabriela Jordan

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