Chefermittler Iwan Derewjanko sagte am Donnerstag in Kiew, Timoschenko werde nun vorgeworfen, in den 1990er Jahren in ihrer Funktion als Chefin des Staatskonzerns Vereinigte Energiesysteme der Ukraine 405 Millionen Dollar veruntreut zu haben.

Derewjanko sagte, dass sich die Ermittlungen auch gegen den damaligen Regierungschef Pawel Lasarenko richteten. Der amtierende Ministerpräsident Nikolai Asarow hatte zuvor mitgeteilt, dass das russische Verteidigungsministerium als Gläubiger weiter die Begleichung dieser Schulden fordere.

Russland hatte eigene Ermittlungen gegen Timoschenko wegen Verjährung eingestellt. Allerdings betonten Fahnder in Kiew, dass die Vorwürfe in der Ukraine nicht verjährt seien.

Reaktion auf westliche Kritik

Timoschenko war am Dienstag wegen Amtsmissbrauchs beim Abschluss von Gasverträgen mit Russland in einem international scharf kritisierten Urteil zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Die einstige Heldin der Orangenen Revolution in der Ukraine wurde zugleich zur Zahlung von umgerechnet 137 Millionen Euro verpflichtet. Timoschenko will das Urteil vor europäischen Gerichten anfechten.

Beobachter vermuten, dass die Ukraine mit dem neuen Verfahren auf Kritik des Westens an einer politischen Verfolgung Timoschenkos reagiert. Die Ex-Regierungschefin war wegen Amtsmissbrauchs beim Abschluss von Gasverträgen mit Russland 2009 am Dienstag zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

Jankukowitschs Pläne

Zwar bekräftigte Präsident Viktor Janukowitsch Pläne, das Strafrecht des Landes zu ändern. Damit hält er sich aus Sicht von Beobachtern eine Freilassung seiner politischen Gegnerin offen.

Allerdings könnte die Oppositionsführerin nun wegen ihrer früheren Managertätigkeit belangt werden. Timoschenko hatte Janukowitsch vorgeworfen, die Ex-Sowjetrepublik von ihrem demokratischen EU-Kurs abzubringen und in eine Diktatur zu führen.