Ukraine

Ukrainische Armee zieht Ring um Donezk und Lugansk enger

Helfer verteilen Lebensmittel an die Einwohner von Slawjansk

Helfer verteilen Lebensmittel an die Einwohner von Slawjansk

Bei ihrer «Anti-Terror-Operation» zieht die ukrainische Armee den Ring um die Grossstädte Donezk und Lugansk enger. Die Separatisten drohten im Gegenzug damit, Gespräche über eine mögliche Waffenruhe zu boykottieren.

Die Führung in Kiew hatte angekündigt, mit einer Belagerung von Donezk und Lugansk im Osten des Landes den Widerstand der Aufständischen brechen zu wollen. Die ukrainische Armee habe vor der Millionenmetropole Donezk die Zufahrten weitgehend abgeriegelt, sagte Anton Geraschtschenko vom Innenministerium.

An Strassensperren würden Zivilisten und Fahrzeuge streng kontrolliert. "Donezk wird schon bald befreit sein", meinte Geraschtschenko. Auch um Lugansk werde der Ring enger gezogen. "Unsere Truppen stehen am Stadtrand. Die Terroristen haben keine Perspektiven mehr."

Gefechte und Verhöre

Geraschtschenko bestätigte, dass es in den befreiten Orten Verhöre gebe. "Wir prüfen, wer den Terroristen geholfen hat. Niemand, der Blut an den Händen hat, bleibt unbestraft", meinte er.

Bei Gefechten in einer Vorstadt von Lugansk seien mindestens ein Aufständischer getötet und sieben weitere verletzt worden, teilten die Behörden mit. Mehrere Detonationen erschütterten die Gebiete. Mindestens drei Eisenbahnbrücken seien von Unbekannten gesprengt worden, hiess es.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte vor einer Woche eine ohnehin brüchige Feuerpause nach zehn Tagen aufgekündigt. Seitdem ist die Armee im Osten auf dem Vormarsch.

Waffenruhe als wichtigstes Ziel

Russland kritisierte das Vorrücken der ukrainischen Armee scharf. "Es scheint sinnlos, einen Stopp der Attacken zu verlangen - die Ukraine ist offenbar taub gegenüber Appellen, Menschenleben zu retten", teilte das Aussenministerium in Moskau mit. Die EU müsse die "verbrecherische Politik" der Führung in Kiew verurteilen.

Aussenminister Sergej Lawrow sagte, solange die ukrainische Regierung eine Kapitulation der Separatisten fordere, sei Frieden unmöglich.

Sein deutscher Amtskollege, Frank-Walter Steinmeier, forderte die ukrainische Führung erneut mit Nachdruck zu Gesprächen mit den prorussischen Separatisten auf. Die Regierung in Kiew müsse trotz jüngster militärischer Erfolge den Dialog suchen, sagte er am Montag bei einem Besuch in der Mongolei. Als wichtigstes Ziel nannte Steinmeier eine allseits respektierte Waffenruhe.

Separatisten warnen vor Blockade

Die Aufständischen ihrerseits warnten, bei einer vollständigen Belagerung von Donezk und Lugansk keine Gespräche zur Beilegung der Krise mehr führen zu wollen. "Eine Blockade würde die Friedensbemühungen begraben", sagte der Separatistenführer Andrej Purgin in Donezk.

Noch seien die militanten Gruppen zu einem Treffen unter der Vermittlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) bereit. Die Zeit für Verhandlungen etwa über eine Waffenruhe laufe aber ab.

Am Sonntag war ein Gespräch der internationalen Kontaktgruppe in Kiew ergebnislos zu Ende gegangen. Separatisten hatten daran nicht teilgenommen.

Der ukrainische Politologe Konstantin Bondarenko zeigte sich skeptisch über ein baldiges Ende der Kämpfe. "Die Regierung erhofft sich mit Siegen auf dem Schlachtfeld eine stärkere Position am Verhandlungstisch. Das ist eine fragwürdige Taktik - zumal unklar ist, welche Strategie Kremlchef Wladimir Putin verfolgt", sagte er.

Der einflussreiche Oligarch Rinat Achmetow rief die Konfliktparteien zu Gesprächen ohne Vorbedingungen auf. "Es gibt keinen anderen Weg zu Frieden als Verhandlungen", sagte der gebürtige Donezker und reichste Ukrainer. Ein Sturm der Armee auf Donezk, der fünftgrössten Stadt des Landes, hätte "unsägliches Leid" zur Folge, meinte der Unternehmer.

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