«Das ist eine hervorragende Idee», sagt Andrej Lushnycky, Dozent an der Uni Freiburg und seit 14 Jahren Präsident des ukrainischen Vereins in der Schweiz. Der Bundesrat solle der ukrainischen Regierung unbedingt ein Angebot machen, die inhaftierte und angeblich kranke ehemalige Regierungschefin in der Schweiz zu pflegen. «Das entspräche ganz der humanitären Tradition der Schweiz und würde es der ukrainischen Regierung erlauben, ein Problem gesichtswahrend zu lösen», sagt Lushnycky.

Aus seiner Sicht wäre eine solche Aktion auch hochprofitabel für die Schweiz. «Die Boykottdrohungen der EU und Deutschlands im Zusammenhang mit der bevorstehenden Fussball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine sind absurd. Das trifft nur die Kleingewerbler.» Die Schweiz könnte sich als vernünftiges Land darstellen und gerade nach dem umstrittenen Entscheid über die Ventilklausel international wieder Goodwill schaffen.

Gestern Brief ans EDA

Ob es so weit kommt, ist noch offen. Die Parlamentariergruppe Schweiz - Ukraine, der rund ein Dutzend Politiker angehören, hat dem Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) laut Christa Markwalder gestern Abend einen Brief geschickt, über dessen Inhalt heute informiert wird. Unter Aussenpolitikern ist ein Angebot an die Ukraine umstritten.

Während CVP-Nationalrat Dominique de Buman (FR) hinter einer solchen Offerte steht, mahnt der Aargauer Grüne Geri Müller zur Vorsicht: «Timoschenko ist eine in der Ukraine umstrittene Figur. Die Schweiz soll sich darauf konzentrieren, dem Land beim Aufbau demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen zu helfen», sagt Müller. Skeptisch ist auch SVP-Nationalrat Hans Fehr: «Von Boykotten oder Protestnoten halte ich nichts. Das Angebot, Timoschenko in der Schweiz zu pflegen, ist noch die beste unter vielen fragwürdigen Ideen.»