Nairobi

Überlebende: «Überall war Blut, ich dachte, ich halte ein totes Baby im Arm»

62 Opfer forderte das Massaker im Shoppingcenter von Nairobi bereits, über 200 Personen wurden verletzt. Überlebende äusserten sich nun erstmals zu den schrecklichsten Stunden ihres Lebens. Bizarr: Ein Kind erhielt von den Terroristen Schokolade.

«Du wirst sterben, dachte ich. Ich schaute mein Baby an, nahm die Hand meines Mannes und sagte ihm, dass ich ihn liebe», erzählt Sima gegenüber dem amerikanischen Fernsehsender CNN. Sie organisierte am Tag des Attentats in der Shopping-Mall in Nairobi gemeinsam mit ihrem Ehemann Alim einen Kochwettbewerb für Kinder.

«Wir forderten alle auf, zu uns in die Ecke zu kommen und uns an den Boden zu legen», sagt Alim. Er wurde durch Glassplitter am Auge verletzt. «Ein Angreifer warf eine Granate in unsere Richtung.»

(Quelle: youtube/cnn)

Überlebende des Massakers sprechen

Seine Frau wurde am Kopf von einer Kugel getroffen: «Überall war Blut, ich dachte, ich halte ein totes Baby im Arm.» Einer der Extremisten erzählte ihnen, dass er normalerweise keine Frauen und Kinder töten würde. Gleichzeitig schoss ein Kollege im Untergeschoss planlos umher. Erst als der Angreifer von Alim erfuhr, dass dieser Muslim ist, liess er die Familie gehen. Trotzdem glaubt Alim nicht daran, dass das Attentat mit religiösen Hintergedanken verübt wurde.

Kamille Kaur, deren Kinder beim Kochwettbewerb teilnahmen, erzählte der britischen Zeitung «Daily Mail», wie viele Eltern «völlig in Panik davonrannten, als die Schiesserei begann.»

Menschenleben retten – koste es, was es wolle

Auf dem gleichen Stock wie der Kochwettbewerb befand sich auch der Geschäftsmann Satpal Singh. Bei «BBC» erzählte er, dass das Drama kurz nach der Mittagszeit begann. «Ich hörte Schüsse und laute Knalle im Erdgeschoss.» Beim Versuch, einem blutenden Verletzten zu helfen, feuerte ein Extremist zwei Schüsse auf ihn ab.

«Nur Gott weiss, weshalb er mich nicht traf. Der Angreifer trug keine Maske. Ich konnte ihm direkt in die Augen sehen.» Über den Notausgang gelang ihm schliesslich mit 40 anderen Personen die Flucht. In der Gruppe seien auch schwangere Frauen und Kinder dabei gewesen. «In einem solchen Moment möchtest du einfach nur noch Menschenleben retten – koste es, was es wolle.»

Schokolade von den Terroristen

Eine Französin entkam mit ihrer sechsjährigen Tochter und ihrem noch jüngeren Sohn nach eineinhalb Stunden unter einer Frischfleischtheke. Die Bewaffneten fanden das Versteck zwar und schossen die Mutter in die Beine. Als sie aber herausfanden, dass es sich um eine Französin handelte, baten sie um Verzeihung, schreibt der «Daily Mail».

«Sie sagten zu mir, ich müsse zum Islam konvertieren und fragten mich, ob ich ihnen vergebe», sagte die Frau zum «Independent». Natürlich habe sie danach geantwortet, was die Angreifer hören wollten. Die Terroristen sollen den Kleinen sogar noch Mars-Riegel geschenkt haben. Zusammen mit zwei anderen Kindern verliessen sie danach die Mall.

Die schlimmsten Stunden ihres Lebens durchleben auch die Verwandten der Opfer, welche die ersten Leichen identifizieren müssen. «Die Leute, die das getan haben, üben Selbstjustiz, sind Tiere. Sie benutzen die Religion als Vorwand, um Menschen zu töten», erzählt ein Mann, der seine Frau in der Mall verloren hatte, dem «Telegraph».

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