Terrorismus

Über 200 Tote bei Anschlägen in Sri Lanka – das sind die wichtigsten Fragen und Antworten

Eine Anschlagserie zu Ostern erschüttert den Inselstaat im indischen Ozean.

Die aktuelle Lage können Sie in unsrem Live-Ticker verfolgen.

Was ist passiert?

Bei einer verheerenden Anschlagsserie auf christliche Kirchen und Hotels sind am Ostersonntag in Sri Lanka nach Polizeiangaben mindestens 207 Menschen getötet worden. Unter den Opfern sind auch rund 30 Ausländer.

Am Vormittag erschütterten zunächst mehrere Explosionen binnen kurzer Zeit drei Luxushotels und drei Kirchen, in denen gerade der Ostergottesdienst gefeiert wurde.

Eines der Hotels, das Cinnamon Grand Hotel, liegt in der Nähe der Residenz des Regierungschefs. Betroffen waren zudem des Shangri La und das Kingsbury Hotel.

Am Nachmittag gingen die Anschläge weiter: Sie trafen zwei Vororte der Hauptstadt Colombo.

 
Wer steckt hinter den Anschlägen?

Regierungschef Ranil Wickremesinghe sprach von «feigen Angriffen». Die Anschläge «zielten klar darauf ab, das Land zu destabilisieren».

Zunächst bekannte sich niemand zu den Angriffen. Staatspräsident Maithripala Sirisena, der auch Verteidigungsminister ist, sagte, die Streitkräfte und die Polizei gingen der «Verschwörung» auf den Grund. Die Oberbefehlshaber der Streitkräfte trafen mehrere Minister zu einer Krisensitzung.

Der stellvertretende Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene sprach von einem «terroristischen Vorfall» und machte «extremistische Gruppen» für die Bluttaten verantwortlich. Die Verantwortlichen seien identifiziert.

Mehrere Verdächtige wurden laut Berichten festgenommen. Die Polizei sprach von mindestens drei Festnahmen, der Verteidigungsminister von sieben.

Wie geht es weiter?

Der Verteidigungsminister verhängte eine landesweite Ausgangssperre, die bis zum frühen Montagmorgen gelten sollte. Zudem sperrte die Regierung nach seinen Angaben vorübergehend den Zugang zu sozialen Medien. Die Schulen sollten die kommenden zwei Tage geschlossen bleiben, die Universitäten unbefristet.

 
Wie viele Opfer sind zu beklagen?

Die Explosionen entfalteten eine zerstörerische Wucht. Mindestens 64 Menschen wurden laut dem Polizeivertreter am Vormittag bei Detonationen in drei Luxushotels und der historischen St.-Antonius-Kirche in Colombo getötet. Dort wurde gerade die Ostermesse gefeiert.

Mindestens 67 weitere starben in der St.-Sebastians-Kirche des nahe von Colombo gelegenen Orts Negombo. 25 weitere wurden in einer Kirche in Batticaloa im Osten des Landes getötet. Auch hier gingen die Sprengsätze während der Osterfeierlichkeiten hoch.

Am Nachmittag wurden dann mindestens zwei weitere Menschen bei einer siebten Explosion in einem Hotel in einem Vorort Colombos getötet. Eine achte Explosion ereignete sich kurz darauf in einem anderen Vorort: Dort riss ein Selbstmordattentäter nach Polizeiangaben drei Polizisten mit in den Tod.

Bei den koordinierten Explosionen wurden ausserdem mehr als 500 Menschen verletzt, wie Sprecher von sieben örtlichen Spitälern der Nachrichtenagentur DPA sagten.

 
Sind auch Schweizer betroffen?

Schweizer Bürger sind nach bisherigem Kenntnisstand nicht unter den Opfern, wie das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) auf Anfrage mitteilte. Man stehe in Kontakt mit lokalen Behörden und werde laufend informiert. Der südasiatische Inselstaat ist ein beliebtes Touristenziel.

Unter den Todesopfern waren nach Spitalangaben US-Bürger, Briten und Niederländer. Der niederländische Aussenminister Stef Blok bestätigte den Tod eines Landsmannes.

Die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa meldete ein portugiesisches Opfer. Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolou sollen auch zwei Türken getötet worden sein, nach Angaben aus Peking starben auch zwei Chinesen.

Aussenstaatsminister Ravinatha Aryasinha sagte, im Nationalhospital von Colombo seien die Leichen von 27 mutmasslichen Ausländern. Die Polizei hatte zuvor von 35 getöteten Ausländern gesprochen.

Wie reagiert die internationale Politik?

Führende Politiker aus aller Welt verurteilten die Anschläge. Bundespräsident Ueli Maurer liess via Twitter verlauten:

Nationalratspräsidentin Marina Carobbio und Ständeratspräsident Jean-René Fournier erfuhren «mit Trauer und Bestürzung» von den Anschlägen in Skri Lanka, wie die Parlamentsdienste via Twitter mitteilten. Carobbio und Fournier verurteilten Intoleranz und religiösen Hass.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel schrieb in einem Kondolenztelegramm: "«Religiöser Hass und Intoleranz, die sich heute auf so schreckliche Weise manifestiert haben, dürfen nicht siegen.»

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf Twitter, es handle sich um «abscheuliche Taten». Der russische Präsident Wladimir Putin sprach von einem «grausamen und zynischen Verbrechen». Israels Staatspräsident Reuven Rivlin äusserte sich ähnlich. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schrieb: «Das ist ein Angriff auf die gesamte Menschheit.»

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez twitterte: Der Tod «Dutzender Menschen, die Ostern feierten, bringt uns zum Weinen». Die britische Premierministerin Theresa May forderte: «Wir müssen zusammenhalten und sicherstellen, dass niemand seinen Glauben in Furcht praktizieren muss.»

Papst Franziskus gedachte in der Ostermesse der Opfer der Anschläge. Vor zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom sprach er von einem «dramatischen Ereignis» und sprach den Opfern seine «innige Nähe aus».

(dsc/sda/afp/dpa)

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