Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) mitteilte, befanden sich die Verbände vier Kilometer von Afrin entfernt, das seit 2012 von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrolliert wird. Der Leiter der in Grossbritannien ansässigen Organisation, Rami Abdel Rahman, sagte der Nachrichtenagentur AFP, im Nordosten der Stadt habe es "heftige Kämpfe mit Luftangriffen und Artilleriebeschuss" gegeben.

Die protürkischen Verbände versuchten demnach, die Stadt einzukreisen. Auch an anderen Fronten sei es zu Gefechten gekommen. Am Donnerstag hatte das türkische Militär die strategisch wichtige Stadt Dschandairis eingenommen und war von dort aus in östlicher Richtung auf Afrin vorgerückt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte in einer Rede am Freitag erklärt, nach der Eroberung Afrins werde die Armee auf die weiter östlich gelegene Stadt Manbidsch und weiter bis zur irakischen Grenze vordringen. Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die vorwiegend aus YPG-Einheiten bestehen, hatten diese Woche die Verlegung von 1700 Kämpfer vom ostsyrischen Deir Essor nach Afrin angekündigt. Auch die syrische Regierung entsandte Kämpfer in die Region Afrin.

Erdogan will ganzes Grenzgebiet befreien

Ankara bezeichnet die YPG als Terrororganisation, ebenso wie die mit ihr verbundene und in der Türkei verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) des inhaftierten Abdullah Öcalan. Die Türkei sieht die kurdischen Autonomiebestrebungen in Syrien als Bedrohung, weil sie Auswirkungen auf das eigene Land befürchtet.

Die YPG ist mit den USA im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verbündet. Deshalb sorgt Ankaras Offensive für Spannungen zwischen Washington und Ankara, die beide Partner in der Nato-Militärallianz sind. Besonders heikel ist der von der Türkei geplante Vormarsch auf Manbidsch, weil die USA dort - im Gegensatz zu Afrin - militärisch präsent sind.