Die Türkei habe bereits im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO auf die bisherigen Strafmassnahmen reagiert, sagte Handelsministerin Ruhsar Pekcan, wie die Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag berichtete. "Und wir werden das fortsetzen", fügte sie hinzu.

Die US-Regierung hatte am Donnerstag gedroht, Washington plane weitere Konsequenzen, wenn die Türkei Brunson nicht schnell freilasse. Präsident Donald Trump bezeichnete den Pastor als "Geisel" Ankaras.

"Wir werden nichts für die Freilassung eines unschuldigen Mannes zahlen", schrieb Trump auf Twitter. "Aber wir setzen bei der Türkei nach", fügte er hinzu.

Der evangelikale Pastor Brunson war 2016 im westtürkischen Izmir wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft genommen worden und wurde kürzlich unter Hausarrest gestellt. Trump und sein Vize Mike Pence dringen seit langem auf Brunsons Freilassung.

Gegenseitige Strafmassnahmen

Anfang August verhängte der US-Präsident Sanktionen gegen die türkischen Justiz- und den Innenminister wegen ihrer Rolle in dem Fall. Ausserdem verdoppelte Trump die Zölle auf türkische Stahl- und Aluminiumimporte - und schickte damit die türkische Währung Lira auf Talfahrt.

Als Vergeltung für die US-Strafzölle hob Ankara am Mittwoch die Einfuhrzölle auf mehrere US-Produkte deutlich an, darunter Autos, alkoholische Getränke und Tabak.

In dieser Woche wies ein Gericht in Izmir einen erneuten Antrag Brunsons auf seine Freilassung zurück. Ankara verweist in dem Fall immer wieder auf die Unabhängigkeit der Justiz.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schlug jedoch vergangenes Jahr selbst vor, Brunson gegen den in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen auszutauschen. Ankara macht Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich.

Währungsturbulenzen in der Türkei

Wegen der Krise war es zu massiven Währungsturbulenzen in der Türkei gekommen. Erdogans Regierung hofft deswegen auf das Engagement finanzstarker Investoren.

Vier Tage nachdem die türkische Landeswährung Lira wegen des Streits mit den USA auf historische Tiefstände gefallen war, sprach Finanzminister Berat Albayrak in einer Telefonkonferenz mit Tausenden ausländischen Investoren. Die Rede war von rund 4000 Teilnehmern aus Europa, den USA und dem Nahen Osten.

Albayrak zufolge scheint eine von vielen Investoren vorgeschlagene Intervention des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht anzustehen. Man sei nicht im Kontakt mit dem IWF, sagte er laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Priorität sei, die Inflation, die die 15-Prozent-Marke überschritten hat, auf einen einstelligen Wert zu drücken. Er wiederholte, dass die Regierung die Finanzpolitik der Zentralbank unterstützen werde.Investoren hatten scharf kritisiert, dass Erdogan vor den Wahlen angekündigt hatte, dass er sich stärker in die Finanzpolitik einmischen werde.

Man werde "aus dieser Phase gestärkt hervorgehen", sagte Albayrak. Experten bemängelten, dass Albayraks Präsentation zu allgemein geblieben sei. Die Lira bewegte sich nach der Rede kaum.