Sollten bis dahin keine Fortschritte bei der Lösung des Zypern-Konflikts erzielt worden sein, "wird es sechs Monate lang keine Beziehungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union geben", sagte er nach Medienberichten vom Dienstag in Ankara.

Der zyprische Präsident Dimitris Christofias verurteilte die Äusserungen Erdogans. Seine Haltung trage nicht zur Überwindung der Teilung der Mittelmeerinsel bei. "Die Aussagen Erdogans sind zynisch. Und wenn die Türkei diesen Kurs fortsetzt, wird es absolut keine Möglichkeit für den geringsten Fortschritt geben", sagte Christofias im zyprischen Rundfunk (RIK).

Substanz der Zypernfrage

Auch der griechische Aussenminister Stavros Lambrinidis verurteilte die Aussagen Erdogans: "Die Erklärungen beweisen noch einmal, dass die Substanz der Zypernfrage die türkische Invasion und die andauernde Besetzung der Insel ist." Die Türkei versuche, der EU zu diktieren, wer ihre Mitglieder sind und wie sie zu funktionieren habe, erklärte Lambrinidis.

Erdogan betonte, in keinem Fall werde es während des sechsmonatigen EU-Vorsitzes Treffen mit griechischen Zyprern geben. "Wir sprechen doch nicht mit einem Land, das wir nicht anerkennen", zitierte ihn die Nachrichtenagentur Anadolu. Es sei schon erniedrigend, mit Vertretern der griechischen Zyprer bei den Vereinten Nationen an einem Tisch sitzen zu müssen.

Er betrachte die EU auch nicht als Verhandlungspartner in der Zypern-Frage, ergänzte Erdogan. "Wir werden sehen, ob diese Angelegenheit bis 2012 abgeschlossen ist. Wenn nicht, gehen wir unseren eigenen Weg", warnte er.

Zurzeit laufen auf Zypern intensive Gespräche zur Überwindung der Teilung zwischen dem griechischen Zyprer Christofias, der auch Präsident der Republik Zypern ist, und dem Führer der türkischen Zyprer, Dervis Eroglu. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon will Ende Oktober die beiden Volksgruppenführer nach New York einladen, um sich ein Bild vom Verlauf der Verhandlungen zu machen.