Seit einer Woche versuchten die Kämpfer der neuen Regierung, Sirte einzunehmen. Sie waren aber mit zwei Grossangriffen gescheitert. Scharfschützen und Artilleristen des gestürzten Machthabers hielten sie auf Abstand.

Am Dienstag meldeten die Truppen dann erste Erfolge und nahmen den Ostteil der Stadt ein. Sirte gilt neben Bani Walid als letzte Bastion der Anhänger Gaddafis.

Tausende fliehen in die Wüste

Die Schlacht um Sirte hat zahlreiche Menschen in die Flucht getrieben, wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Donnerstag in einer Mitteilung schrieb. Tausende Bewohner der Stadt seien in die Wüste oder in Nachbardörfer geflohen. Ihre Lage sei prekär: es fehle an Trinkwasser, Nahrung und Medizin; Infektionskrankheiten breiteten sich aus.

Flüchtlinge hätten berichtet, dass in Sirte die Strom- und Wasserversorgung meist unterbrochen sei und Lebensmittel knapp würden. Zudem werde in den Spitälern Sirtes das medizinische Material immer knapper, wurde der IKRK-Delegationsleiter in Tripolis, Georges Comninos, zitiert.

Das IKRK und der libysche Rote Halbmond seien derzeit dabei, Wasser, Hygienekits und auch Nahrungsmittel an die Geflohenen zu verteilen. UNO-Organisationen lieferten zudem nach eigenen Angaben Trinkwasser und evakuierten Verletzte. Wegen der Kämpfe könnten derzeit keine Helfer nach Sirte gelangen, erklärte die UNO.

Gaddafi-Sprecher verhaftet?

In Sirte wurde angeblich Gaddafis ehemaliger Regierungssprecher Mussa Ibrahim festgenommen, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete. Der Fernsehsender der Aufständischen von Misrata meldete, Ibrahim sei in der Nacht gefasst worden, als er versucht habe, zusammen mit einer Gruppe von Zivilisten die Stadt zu verlassen.

Ibrahim habe Frauenkleider getragen und sei verschleiert gewesen. Der Sender kündigte an, er wolle demnächst Bilder von der Gefangennahme zeigen.