USA

Trumps wichtigster Corona-Berater hat Schweizer Wurzeln

Der Immunologe, auf den selbst Präsident Trump (l) manchmal hört: Anthony Fauci (r).

Der Immunologe, auf den selbst Präsident Trump (l) manchmal hört: Anthony Fauci (r).

Anthony Fauci ist derzeit fast immer dabei, wenn Donald Trump vor die Presse tritt. Manchmal hört der Präsident sogar auf den Immunologen.

Anthony Fauci hat sich in seiner langen Karriere daran gewöhnt, dass er häufig mit Skeptikern in Kontakt kommt. Als der Immunologe, der seit 1984 an der Spitze des National Institute of Allergy and Infectious Diseases steht, zu Beginn der Achtzigerjahre als einer der ersten hochrangigen Regierungsvertreter über die neue Epidemie HIV und Aids sprach, prallten seine Warnungen ab.

Später sagte Fauci: Der damalige Präsident, der Republikaner Ronald Reagan, «zeigte zwar Verständnis», vielleicht auch, weil im Sommer 1985 sein ehemaliger Schauspiel-Kollege Rock Hudson an den Folgen von Aids starb. Reagan habe der Epidemie aber keine Priorität eingeräumt. Fauci liess sich davon nicht beirren. Auch auf seine Initiative hin verschickten die Centers of Disease Control and Prevention, mit denen er eng zusammenarbeitete, im Jahr 1988 eine Aufklärungsbroschüre an alle amerikanischen Haushaltungen, in der in ungewöhnlich expliziten Worten über Aids gesprochen wurde.

Mit derselben Mischung aus Beharrlichkeit, Selbstvertrauen und Freimut versucht Fauci nun auch den 45. Präsidenten Amerikas davon zu überzeugen, dass er das Coronavirus ernst nehmen müsse. Dies gelingt dem 79-Jährigen mal besser, mal schlechter. So räumte Donald Trump am Wochenende ein, dass Amerika nicht bereits an Ostern zum Alltag zurückkehren könne – obwohl der Präsident noch in der vergangenen Woche verkündete hatte, er halte es für «möglich», dass die Krise bereits in zwei Wochen vorbei sein werde. Fauci gelang es, Trump umzustimmen, indem er im Konzert mit anderen Fachleuten darüber sprach, dass das Virus bis zu 2,2 Millionen Todesopfer allein in Amerika fordern könnte, wenn die Ausbreitung nicht gebremst werde. Am Montag behauptete Trump dann aber in einem wirren Gespräch mit dem Nachrichtensender «Fox News Channel»: «Niemand» habe voraussehen können, dass das Coronavirus derart gefährlich sei.

Faucis Vorahnung erweist sich als zutreffend

Das ist falsch, wie so viele Aussagen des Präsidenten über die Pandemie. Nach der Wahl von Trump im November 2016 verfasste Fauci ein Memorandum, in dem er die neue Regierung auf die Gefahren aufmerksam machte, die von Epidemien ausgehe. Jeder Präsident seit den Achtzigerjahren sei früher oder später mit einer Gesundheitskrise konfrontiert worden – sei es das West-Nil-Virus, das sich zu Beginn des Jahrtausends in Amerika verbreitete, oder die Ebola-Epidemie, mit der sich Präsident Barack Obama während seiner Amtszeit konfrontiert sah. «Und zu meiner grossen Betroffenheit», sagte Fauci kürzlich, erwies sich seine Warnung als zutreffend.

Fauci wurde am Heiligabend 1940 in New York City geboren, als Kind von Eltern mit Wurzeln in Süditalien. Ein Vorfahre mütterlicherseits wurde 1829 in Chur geboren, liess sich später aber in Süditalien nieder. Fauci spricht in diesem Zusammenhang von einem Grossvater; auf einer genealogischen Internetseite wird der entsprechende Verwandte allerdings als Urgrossvater bezeichnet.

Er sieht sich nach wie vor als Praktiker

Sein Vater Stephen Fauci besass in Bensonhurst eine Apotheke, und Anthony packte bereits als Kind mit an. Bereits als junger Mann habe er die Entscheidung getroffen, Arzt zu werden, auch weil er sich sehr für Menschen interessiert habe.

Am Cornell University Medical College spezialisierte er sich dann auf Immunologie. 1966 schloss er seine Ausbildung ab, als Klassenbester notabene. Zwei Jahre später trat er in den Regierungsdienst ein, und nahm eine Stelle am National Institute of Allergy and Infectious Diseases an, das Teil der National Institutes of Health (NIH) ist. Präsident George H.W. Bush, der von Fauci stark beeindruckt war und ihn 1992 während einer Fernsehdebatte als «Helden» bezeichnete, bot ihm zweimal den NIH-Direktorenposten an. Fauci lehnte dankend ab – auch weil er sich immer noch als Praktiker sieht.

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