USA

Trumps Thronfolger: Ivanka und «Don Junior» sind Trumps älteste Kinder – und vielleicht bald seine Nachfolger

Wird sie die erste Präsidentin Amerikas? Ivanka Trump (39) glaubt, dass sie das Zeugs dazu hätte.

Wird sie die erste Präsidentin Amerikas? Ivanka Trump (39) glaubt, dass sie das Zeugs dazu hätte.

Fünf Kinder hat der amtierende US-Präsident. Die beiden Ältesten würden ihren Vater gerne beerben. Erleben wir gerade den Anfang einer neuen amerikanischen Polit-Dynastie?

Hillary Clinton musste kurz überlegen, als sie in einer Fernsehdebatte im Wahlkampf 2016 gefragt wurde, ob sie auch etwas Positives über ihren Kontrahenten Donald Trump sagen könne: «Seine Kinder. Die sind unglaublich begabt und engagiert», sagte Clinton.

Das sind sie zweifelsohne – und unglaublich ambitioniert. Mindestens die beiden erstgeborenen Donald Trump Junior, 42, und Ivanka, 39. Während sich der dritte Sohn Eric, 36, auf seinen Job in der väterlichen Firma (der «Trump Organization») konzentriert, Tiffany, 27, mit ihren Coronapartys Schlagzeilen macht und Barron, 14, primär durch seine Grösse auffällt (er überragt seinen nicht gerade kleinen Vater um einen halben Kopf), mischten Donald Junior und Ivanka die vergangenen Jahre in Washington kräftig mit. Ivanka als Beraterin im Weissen Haus, «Don Junior» als scharfzüngige Allround-Waffe im Wahlkampf, wo er mit seinem «Lasst uns die Linke zum Weinen bringen»-Spruch für Begeisterungsstürme sorgte. Beide haben angetönt, dass sie sich vorstellen könnten, in vier Jahren in die Fussstapfen ihres abgewählten Vaters zu treten.

Eine schrecklich mächtige Familie: Donald Junior, Melania, Donald, Ivanka, Eric und Tiffany Trump.

Eine schrecklich mächtige Familie: Donald Junior, Melania, Donald, Ivanka, Eric und Tiffany Trump.

Eine Junior-Version von Donald Trump im Weissen Haus? Ivanka Trump als erste US-Präsidentin? Das ist realistischer, als manche denken. In einer Erhebung der Plattform «Axios» gaben 29 Prozent der Republikaner an, sie würden 2024 Donald Junior wählen. 16 Prozent würden für Ivanka stimmen.

Dass der Celebrity-Faktor bei US-Präsidentschaftswahlen mindestens ebenso wichtig ist wie die inhaltlichen Versprechen, gilt in Amerika spätestens seit der Wahl des Filmschauspielers Ronald Reagan 1980. Auch Joe Biden hätte sich bei den Vorwahlen ohne seinen Celebrity-Status kaum gegen seine jüngeren und frischer wirkenden Konkurrenten durchsetzen können.

Die berühmten Trump-Kinder sind deshalb bereits jetzt in der Pole-Position als mögliche zukünftige Kandidaten. Während sich viele hoffnungsvolle Republikaner noch in den Tiefen der Partei tummeln, sind Donald Junior und Ivanka längst an der Oberfläche aufgetaucht und wetteifern um Aufmerksamkeit – nicht nur um jene ihres Vaters, sondern auch um jene des amerikanischen Wahlvolkes.

Als der Vater seinem Sohn die Umarmung verweigerte

Mit ersterer hapert es bei Don Junior zuweilen noch. In schmerzlicher Erinnerung behalten dürfte der Trump-Spross jenen Moment in Wisconsin, als ihm sein Vater vor jubelnden Anhängern eine Umarmung verweigerte, obwohl er doch zuvor aus voller Kehle für ihn geworben hatte. Das Verhältnis zum Vater, der den Sohn einst als «nicht gerade den hellsten Kerl» bezeichnete, ist seit der Scheidung von Trump und seiner ersten Ehefrau (Don Juniors Mutter) sowieso kompliziert. Nach der Trennung hatten Vater und Sohn ein ganzes Jahr lang kein Wort miteinander gewechselt.

«Don Junior» sei «noch trumpiger als Trump», sagen manche Beobachter.

«Don Junior» sei «noch trumpiger als Trump», sagen manche Beobachter.

Die Zuneigung der republikanischen Massen aber hat sich der 42-Jährige, selber auch bereits geschiedene Vater von fünf Kindern, gesichert. Nicht zuletzt dank seiner neuen Freundin Kimberly Guilfoyle, die einst bei «Fox News» gearbeitet hat und heute die Werbetrommel für ihn schwingt. Don Junior gilt als eine Art aufgeputschte Version seines Vaters. «Noch trumpiger als Trump» sei er, sagen manche. Rhetorische Fesseln kennt er keine. Seinem Vater empfahl er jüngst den «totalen Krieg», um den vermeintlichen Wahlbetrug aufzudecken.

Nach der Wahlniederlage seines Vaters (die der Trump-Clan bis jetzt nicht eingestehen will) hat sich Don Junior laut «CNN» aktiv um mehr Einfluss innerhalb der Republikanischen Partei bemüht. Er macht die Parteioberen für die Wahlniederlage gegen die Demokraten verantwortlich und will die Zügel selber in die Hand nehmen. Ein Indiz dafür, wie ernst es ihm mit seinen politischen Ambitionen ist. 2017 war er mal kurz als Kandidat für das Bürgermeisteramt von New York City im Gespräch. Und erst vor wenigen Wochen liess er sich neben einem riesigen «Don Junior 2024»-Plakat ablichten. Er selber sagt, er komme «einfach nicht mehr los» von der Politik.

Don Junior und der blutige Elefantenschwanz

Seinen Gegnern aber hat Don Junior bereits jetzt genügend Material geliefert, um ihm als möglichen Kandidaten das Leben schwer zu machen. Da sind etwa die Fotos des begeisterten Jägers, der schon als Bub jedes Jahr zu seinem Grossvater in die damalige Tschechoslowakei in die Jagdferien fuhr. Als erwachsener Mann dann zog es ihn nach Simbabwe und in die Mongolei, wo er sein Visier mehrmals auf geschützte Tierarten richtete. Einmal liess er sich gar mit dem abgeschnittenen, blutigen Schwanz eines Elefanten ablichten.

Solcherlei Image-schädigende Bilder gibt es von Ivanka nicht, im Gegenteil. Die 39-Jährige ist sehr darum bemüht, das Bild einer sanften, selbstbewussten Strahlefrau abzugeben. Ivanka sei wie ihr Vater, einfach ohne Ecken und Kanten, schreibt die Journalistin Andrea Bernstein in ihrem Buch «Amerikanische Oligarchen».

Ein Küsschen für die älteste Tochter: Donald Trump hat nie einen Hehl daraus gemacht, wer sein Lieblingskind ist.

Ein Küsschen für die älteste Tochter: Donald Trump hat nie einen Hehl daraus gemacht, wer sein Lieblingskind ist.

Sie folgte ihrem Vater als Beraterin ins Weisse Haus und hatte als faktische «Second First Lady» grossen Einfluss auf den Präsidenten. Als sie ihm 2017 Bilder von toten Kindern in Syrien zeigte, entschied sich der US-Präsident kurzerhand für einen Raketenangriff auf Bashar Al-Assads Militäranlagen.

Daneben aber nutzte Ivanka ihre Zeit im Weissen Haus primär fürs Netzwerken. Während ihr Mann Jared Kushner als Berater ein gigantisches Portfolio an Zuständigkeiten übernahm (der «Sekretär für Alles» war zuständig für China, den Nahen Osten, Corona, die Grenzmauer und das Klima), verbrachte Ivanka viel Zeit damit, auf dem internationalen Parkett um die Machthaber dieser Welt herumzuscharwenzeln. Am G20-Gipfel in Hamburg trat sie 2017 als Stellvertreterin des US-Präsidenten auf und diskutierte mit Angela Merkel, Shinzo Abe, Wladimir Putin und Konsorten über weltpolitische Probleme.

Donald Trump selbst machte aus seinem Stolz auf seine Älteste nie einen Hehl. Zuweilen nahm die väterliche Bewunderung dabei ziemlich wirre Formen an. Vor Jahren sagte Trump in einem TV-Interview: «Wenn Ivanka nicht meine Tochter wäre, würde ich sie auf ein Date mitnehmen.» Als Präsident betonte er:

Wie Trump, nur ohne Ecken und Kanten: So beschreibt die Journalistin Andrea Bernstein Trumps Tochter Ivanka.

Wie Trump, nur ohne Ecken und Kanten: So beschreibt die Journalistin Andrea Bernstein Trumps Tochter Ivanka.

Ivankas grosse Ansage

Als die dreifache Mutter im Herbst 2019 ihre Haare auf Schulterlänge stutzte, wurde das gleich als Zeichen ihrer politischen Ambitionen gedeutet. Will sie Ordnung ins Chaos bringen? Eine stramme Linie durchziehen? Hillary Clinton kopieren? Letzteres stimmt mindestens ansatzweise. Der Journalist Michael Wolff schreibt in seinem Buch «Feuer und Wut», Ivanka habe vor den Wahlen 2016 klar und deutlich gesagt:

Dass das moderne Amerika nach den Bushs, den Kennedys und den Clintons sich bald mit einer vierten Familiendynastie herumschlagen muss, zeichnet sich ab. Nur einer könnte das verhindern: Donald Trump selbst. Der 74-Jährige dürfte in vier Jahren selber noch einmal antreten. Jetzt scheint es kaum vorstellbar, dass «The Donald» sich die Chance nehmen lassen wird, höchst persönlich noch einmal gegen Joe Biden ins Feld zu ziehen.

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