Es bestehe eine Chance, dass es mit «Nordkorea zu einem grossen, grossen Konflikt» komme, sagte Donald Trump in einem Interview mit Reuters. Eigentlich würde er den Streit mit Nordkorea lieber diplomatisch lösen, gab der US-Präsident zu Protokoll, «doch das ist sehr schwierig».

Zeitgleich lobte Trump die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, den er anfangs April in Florida empfangen hatte. Er glaube, dass Xi sehr angestrengt versuche, die Sache mit Nordkorea zu regeln, so Trump. «Er ist ein guter Mann. Er ist ein sehr guter Mann und ich habe ihn sehr gut kennen gelernt.» Er sei sich sicher, dass Xi versuche etwas zu tun, erklärte Trump, «aber vielleicht kann er es nicht». 

Donald Trump vertraut auf den chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

Donald Trump vertraut auf den chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

Er hoffe, dass Kim Jong Un ein rational denkender Mensch sei, meinte Trump, aber er wisse es nicht. «Ich habe dazu keine Meinung.» Kim habe die Macht im Alter von 27 Jahren übernommen, «das ist nicht einfach». 

Die Aussagen Trumps erfolgen in einer Zeit höchster Anspannungen zwischen Pjöngjang und Washington. Als Reaktion auf die nuklearen Provokationen Nordkoreas schickten die USA einen Flugzeugträger in die Region und kündeten mehrmals an, dass ein militärischer Schlag nicht ausgeschlossen sei. 

Trump lehnt Gespräch mit Taiwan ab

Trump, der während des Interviews im Oval Office offenbar eine Cola schlürfte, die er per Knopfdruck beim Butler bestellt hatte, äusserte sich auch zum Thema Taiwan, welches das Verhältnis zwischen Peking und Washington zu Trumps Amtsantritt stark belastete.  

Nach seiner Wahl telefonierte Trump im Dezember mit der Präsidentin Taiwans Tsai Ing-wen und stellte somit indirekt Pekings Ein-China-Politik in Frage. 

Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen suchte offenbar das Gespräch mit Donald Trump, doch dieser lehnte ab.

Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen suchte offenbar das Gespräch mit Donald Trump, doch dieser lehnte ab.

Nun soll der US-Präsident ein weiteres Gespräch mit Tsai Ing-wen ausgeschlagen haben. «Mein Problem ist, dass ich ein sehr gutes persönliches Verhältnis mit Präsident Xi entwickelt habe», sagte Trump. «Ich habe wirklich das Gefühl, dass er alles in seiner Macht stehende unternimmt, uns in einer grossen Situation zu helfen. Deshalb will ich ihm jetzt keine Schwierigkeiten bereiten.» 

«Ich dachte, es sei einfacher»

Im gleichen Interview sprach Trump auch über den Alltag als US-Präsident. Dabei gab er ehrlich zu, dass er gewisse Sachen aus seinem früheren Leben vermisse. «Das ist mehr Arbeit als in meinem früheren Leben. Ich dachte, es sei einfacher.» Er habe sein früheres Leben geliebt, schwärmt Trump, «es war immer so viel los.»

Man lebe in seinem eigenen kleinen Kokon, führt der US-Präsident, der nunmehr seit 99 Tagen im Amt ist, aus, «man hat so viel Schutz um sich, man kann wirklich nicht mehr überall hingehen.»

Wenn der Präsident aus dem Haus geht, dann meistens in einer Limousine. Doch am Steuer sitzt ein Chauffeur, nicht er selbst. Und genau das macht Trump zu schaffen. «Ich liebe es, zu fahren. Jetzt kann ich nicht mehr Auto fahren.» (cma)