USA - Syrien

Trump ordnet US-Rückzug aus Syrien an

Ein Konvoi von US-Truppen in Syrien nahe der türkischen Grenze. US-Präsident Donald Trump will seine Streitkräfte aus Syrien abziehen. (Archivbild)

Ein Konvoi von US-Truppen in Syrien nahe der türkischen Grenze. US-Präsident Donald Trump will seine Streitkräfte aus Syrien abziehen. (Archivbild)

Die USA haben damit begonnen, ihre Soldaten aus Syrien zurückzuziehen. Das gab das Weisse Haus am Mittwoch in Washington bekannt.

US-Präsident Donald Trump selbst schrieb in Bezug auf die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) auf Twitter: "Wir haben den IS in Syrien geschlagen, das war der einzige Grund, während der Trump-Präsidentschaft dort zu sein".

Vor fünf Jahren sei der IS eine sehr mächtige und gefährliche Kraft im Nahen Osten gewesen, heisst es in einer Stellungnahme von Trumps Sprecherin Sarah Sanders. "Die USA haben jetzt das territoriale Kalifat besiegt." Dies bedeute jedoch nicht, dass die weltweite Koalition im Kampf gegen den IS oder deren Kampagne beendet sei.

Kritik aus eigenen Reihen

Zuvor hatten das "Wall Street Journal" und mehrere andere US-Medien über die Absichten berichtet. Trump habe die Entscheidung am Dienstag getroffen und das Verteidigungsministerium entsprechend angewiesen, berichtete CNN unter Berufung auf Quellen im Pentagon. Dem "Wall Street Journal" zufolge wurden bereits Verbündete in der Region unterrichtet.

Aus den eigenen Reihen kam unmittelbar nach Bekanntwerden der Berichte massive Kritik. "Wirklich?", schrieb der republikanische Kongressabgeordnete Adam Kinzinger auf Twitter. "Der Iran jubelt bereits."

Der Syrien-Experte Charles Lister erklärte in einem am Mittwoch veröffentlichten Statement, die Entscheidung Trumps sei ein "Traum-Szenario", nicht nur für den IS, sondern auch für Russland, den Iran und die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Der IS habe sich noch am Mittwoch zu einem Anschlag bekannt.

"Obwohl nicht völlig überraschend, ist die Entscheidung von Präsident Trump, einen militärischen Rückzug zu vollziehen, extrem kurzsichtig und naiv", schreibt Lister, der Direktor für Terrorismusabwehr am Middle East Institute in Washington ist.

Veränderte Kräfteverhältnisse

Die USA stehen an der Spitze einer internationalen Koalition, die in Syrien die IS-Terrormiliz bekämpft. Ihr wichtigster Verbündeter in dem Bürgerkriegsland ist die Kurdenmiliz YPG, die dort die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) anführt.

Lange Zeit galten die kurdischen Kämpfer als eine der wenigen für den Westen verlässlichen Bodenkräfte in Syrien. In Syrien selbst haben die USA etwa 2000 Soldaten, die offiziell zur Ausbildung und Beratung der syrischen Oppositionstruppen dort sind.

Der Rückzug der USA könnte erhebliche Auswirkungen auf die Kräfteverhältnisse in Syrien haben, wo Rivalen der USA wie Russland und Iran in den vergangenen Jahren erheblich an Einfluss gewonnen haben.

Im März hatte Trump eine verheerende Bilanz der US-Interventionen im Nahen Osten gezogen: "Wir haben sieben Billionen Dollar im Nahen Osten ausgegeben - und was haben wir dafür bekommen? Nichts", sagte er damals in der Rede, in der er den US-Truppenabzug ankündigte. Um Syrien sollten sich nun "andere Leute" kümmern.

Erst vergangene Woche hatte Trumps Anti-IS-Beauftragter Brett McGurk aber noch versichert, die US-Truppen würden noch eine Weile in Syrien bleiben, da es "noch viele versteckte Zellen gibt" und "kein Mensch so naiv sein wird zu glauben, dass sie einfach verschwinden".

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