"Russland hat geschworen, alle Raketen abzuschiessen, die auf Syrien abgefeuert werden. Mach' Dich bereit, Russland, denn sie werden kommen (...)", schrieb Trump am Mittwoch im Kurznachrichtendienst Twitter.

Die Raketen seien "hübsch und neu und 'smart!'", schreibt Trump. Der US-Präsident gab Russland eine Mitschuld für die Entwicklung. Moskau dürfe sich nicht mit einem "Tier" verbünden, das mit Gas töte, fügte er hinzu und meinte damit offensichtlich den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

Eine Stunde später twittert Trump erneut über die Beziehung zu Russland, die er als schlechter bezeichnet als je zuvor – «und das schliesst den Kalten Krieg mit ein»:

Russland warnte ihn vor einem Angriff. Alle Seiten müssten Schritte unterlassen, die in Wirklichkeit "durch nichts gerechtfertigt" seien, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

Den Ernst der Lage deutlich macht eine Warnung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) und der Flugsicherung Eurocontrol: Die Fluggesellschaften sollten wegen der Gefahr von Luftangriffen in Syrien besondere Vorsicht im östlichen Mittelmeer walten lassen.

Innerhalb der nächsten drei Tage könnten Luft-Boden-Raketen und Marschflugkörper eingesetzt werden. Zudem könne es zu Störungen von Navigationsgeräten kommen.

Streit über Giftgasangriff

Die USA und andere westliche Staaten machen die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad für mutmassliche Giftgasangriffe in der Stadt Duma verantwortlich, bei denen nach Angaben von Hilfsorganisationen am Samstag 42 Menschen getötet wurden. Syrien und Russland bestreiten, dass es einen Giftgasangriff gegeben hat.

Trump hatte schon zuvor eine "starke Reaktion" angekündigt und gewarnt, die Verantwortlichen müssten einen "hohen Preis" dafür zahlen. Nun warnte er Russland ausdrücklich vor einer Unterstützung Assads.

Russland habe angekündigt, "alle auf Syrien abgefeuerten Raketen abzuschiessen", schrieb der US-Präsident in einem Tweet. "Bereite dich vor, Russland, denn sie werden kommen, hübsch und neu und 'smart'!" Das Verhältnis der USA zu Russland sei mittlerweile "schlechter als es je war, den Kalten Krieg eingeschlossen", erklärte Trump in einem weiteren Tweet.

Später hiess es aus dem Weissen Haus, ein Militärschlag gegen Syrien sei nicht die einzige Option. Zunächst sollten die Gespräche mit den Partnern Israel, Saudi-Arabien, Frankreich und Grossbritannien fortgeführt werden, sagte die Sprecherin des Weissen Hauses, Sarah Sanders. Es gebe keinen Zeitplan.

US-Kriegsschiffe im Visier

Russlands Botschafter im Libanon, Alexander Sasypkin, hatte erklärt, sollten die USA Syrien mit Raketen angreifen, dann würden diese abgeschossen und auch die Abschussvorrichtungen ins Visier genommen.

Nach seinen Worten sind US-Kriegsschiffe in der Region ein potenzielles Angriffsziel, wenn von ihnen Marschflugkörper auf Syrien abgefeuert würden. Damit würde eine direkte Konfrontation der beiden Atommächte drohen.

Der russische Präsident Wladimir Putin rief zur Vernunft auf. Russland werde alle seine Verpflichtungen nach dem Völkerrecht respektieren und konstruktive Beziehungen zu seinen Partnern im Ausland aufbauen. Das russische Militär erklärte, Aktivitäten von US-Marineeinheiten im Golf zu registrieren. Man beobachte die Situation um Syrien herum genau.

Die syrische Regierung wertete die Angriffsdrohung als "gefährliche Eskalation". Damaskus sei darüber aber nicht überrascht, da die USA auch den "Terrorismus" in Syrien unterstützten, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Sana einen Vertreter des Aussenministeriums.

Die syrischen Streitkräfte räumten weitere Stützpunkte, darunter die Militärbasis Dmeir, von der aus zuletzt die Luftangriffe der Regierung auf die belagerte Rebellenhochburg Ost-Ghuta ausgeführt wurden. Das berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Bereits am Dienstag hatte die syrische Armee damit begonnen, sich von einigen Stützpunkten zurückzuziehen.

OPCW schickt Experten

Die syrische Regierung hatte am Dienstag internationale Experten gebeten, den mutmasslichen Chemiewaffenangriff zu untersuchen. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) kündigte daraufhin an, bald ein Expertenteam nach Duma zu schicken.

Am Mittwoch forderte auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) "sofortigen und ungehinderten Zugang" zum Gebiet, um die Opfer behandeln zu können. Bei etwa 500 Spitalpatienten seien Symptome festgestellt worden, die aufträten, wenn man giftigen Chemikalien ausgesetzt sei.

Dem Uno-Sicherheitsrat gelang es am Dienstagabend nicht, eine Resolution zu dem mutmasslichen Giftgaseinsatz zu verabschieden. Russland legte sein Veto gegen einen von den USA vorgelegten Resolutionsentwurf ein, in dem es um eine Untersuchung der Vorwürfe ging. Zwei Vorlagen Russlands wurden ebenfalls abgelehnt.

Trump hatte vor einem Jahr bereits als Vergeltung für einen Giftgaseinsatz in der nordsyrischen Stadt Chan Scheichun einen Raketenangriff auf eine syrische Luftwaffenbasis angeordnet. Nach Angaben von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron könnten beide Länder nun wieder "chemische Einrichtungen unter Kontrolle des Regimes angreifen".