USA

Trump-Anwalt Giuliani gibt Zusammenarbeit mit Russen zu – ausser bei Trump

Steht im Abseits: Rudy Giuliani, der persönliche Anwalt von Donald Trump.

Steht im Abseits: Rudy Giuliani, der persönliche Anwalt von Donald Trump.

Der persönliche Anwalt des Präsidenten streitet in einem Interview auf CNN nicht mehr ab, dass es eine Zusammenarbeit von Mitgliedern des Wahlkampfteams mit Russen gegeben hat. Was will er damit?

Rudy Giuliani war wieder einmal zu Gast bei Chris Cuomo, einem bekannten CNN-Moderator.

Dabei machte er eine erstaunliche Aussage: «Ich habe niemals gesagt, es habe keine ‹Collusion› [Zusammenarbeit mit den Russen] gegeben! Oder zwischen Mitgliedern des Wahlkampfteams. Ich sagte, es gebe keinerlei Indizien, dass der Präsident das einzige Verbrechen begangen habe, das er hätte begehen können: eine Verschwörung mit den Russen, um die Computer des demokratischen Hauptquartiers zu hacken.»

Das Interview in voller Länge.

Das Interview sorgte sofort für Schlagzeilen in den Medien und für Bestürzung beim Trump-Stab im West Wing. Was zum Teufel führt Giuliani diesmal im Schild? Warum gibt er zu, was bisher hartnäckig und durch alle Böden verleugnet wurde, nämlich dass es eine Absprache des Trump’schen Wahlkampfteams mit den Russen gab?

Rückblende: Bereits im vergangenen Sommer sorgte Giuliani für eine vergleichbare Aufregung. Damals überraschte er Sean Hannity, den Fox-News-Star und Trump-Vertrauten, mit der Aussage, dass der Präsident von den Schweigegeldern an den Pornostar Stormy Daniels gewusst habe. Auch das war zuvor heftig bestritten worden.

Giuliani bei Hannity.

Vor dem Hannity-Interview hatten Untersuchungsbeamte des Southern District of New York – eine Abteilung des Justizministeriums und zuständig für die ganz harten Verbrechensbrocken – die Büros und die Wohnung von Michael Cohen, Trumps langjährigem Fixer, durchsucht und dabei grosse Mengen an Material beschlagnahmt.

Darunter befand sich auch ein Tonband, das ein Gespräch zwischen Trump und Cohen enthielt, aus dem klar hervorging, dass Trump von den Schweigegeldern wusste. Leugnen war zwecklos geworden. Cohen ist inzwischen wegen Verletzung des Wahlkampfgesetzes verurteilt worden. Das Präsidentenamt hat Trump bisher vor diesem Schicksal bewahrt, er gilt jedoch juristisch als «nicht angeklagter Mitverschwörer».

Rudy Giuliani benimmt sich zwar – milde ausgedrückt – komisch, er ist ein mit allen Wassern gewaschener Jurist. Auch mit seinen jüngsten Aussagen verfolgt er ein Ziel: Er will die amerikanische Öffentlichkeit auf den bald erwarteten Bericht des Sonderermittlers vorbereiten.

Giuliani weiss, dass der Mueller-Report für Trump katastrophal ausfallen wird. Deshalb ist es plausibel, davon auszugehen, dass er wie seinerzeit bei Hannity vorgeht. Er opfert Trumps engste Mitarbeiter, um die Haut des Präsidenten zu retten.

Will öffentlich auspacken: Michael Cohen, einst Trumps Mann fürs Grobe.

Will öffentlich auspacken: Michael Cohen, einst Trumps Mann fürs Grobe.

Tatsächlich hat sich in den letzten Wochen Trumps Lage dramatisch verschlechtert. Die «New York Times» hat enthüllt, dass das FBI nach der Entlassung des ehemaligen Direktors James Comey eine Untersuchung gegen den Präsidenten eingeleitet hat, um herauszufinden, ob er ein Agent der russischen Regierung sei. Das Resultat dieser Untersuchung ist nicht bekannt.

Die «Washington Post» hat derweil aufgedeckt, dass Trump angeordnet hat, sämtliche Notizen der Übersetzer seiner Gespräche mit Wladimir Putin zu vernichten. Er hat die Dolmetscher auch angewiesen, kein Sterbenswörtchen zu niemandem über diese Gespräche zu sagen. So etwas hat es in der Geschichte der USA noch nie gegeben.

Das «Wall Street Journal» schliesslich hat gemeldet, dass Michael Cohen einem gewissen John Gauger Anfang 2016 12’000 bis 13’000 Dollar in einem Walmart-Sack im Trump Tower übergeben hat. Der IT-Fachmann der evangelikalen Liberty University sollte dafür Online-Umfragen zugunsten Trumps fälschen. Cohen hat den Tatbestand mittlerweile per Tweet bestätigt. Er hat auch bekräftigt, dass er am 7. Februar vor dem Kongress erscheinen und in aller Öffentlichkeit über Trumps schmutzige Geschäfte auspacken will.

In der Russland-Affäre wird es für Trump immer enger. Am vergangenen Dienstag haben Anwälte des Sonderermittlers beim Gericht einen 200-seitigen Bericht eingereicht. Darin legen sie offenbar dar, wie Trumps ehemaliger Wahlkampfmanager Paul Manafort mit den Russen kooperiert hat. Genaues weiss man nicht, da fast alle Seiten eingeschwärzt sind.

Durch eine Schlamperei von Manaforts Anwälten ist hingegen bekannt geworden, dass der ehemalige Wahlkampfmanager Daten an seinen Partner Konstantin Kilimnik weitergereicht hat. Kilimnik ist ein ehemaliger russischer Agent und verfügt über beste Kontakte zum Oligarchen und Putin-Kumpel Oleg Deripaska.

Milliardär und Putin-Kumpel: Oleg Deripaska.

Milliardär und Putin-Kumpel: Oleg Deripaska.

Deripaska ist ein Aluminium-Tycoon. Seine Firma Rusal wurde mit den jüngsten amerikanischen Sanktionen belegt. Trump hat jedoch angeordnet, dass diese Sanktionen wieder aufgehoben werden. Das Abgeordnetenhaus hat sich mit grosser Mehrheit dagegen ausgesprochen, im Senat hingegen ist der gleiche Vorstoss gescheitert.

Trump übernimmt Putins Argumentation in der Manipulationsfrage wörtlich, er verteidigt die Invasion der Sowjetunion in Afghanistan – warum tut er das alles? Ist er tatsächlich ein «Manchurian Kandidat», ein Präsident, der von einer fremden Macht gesteuert ist? Oder ist er bloss ein Trottel? Beide Erklärungen lassen uns schlecht schlafen.

Meistgesehen

Artboard 1