Trotz Einreiseverbots waren die ersten Mitglieder der russischen Biker-Gang «Nachtwölfe» bereits am Samstag in Polen. Bei einer Gedenkfeier zum Ende des Zweiten Weltkrieges auf dem Soldatenfriedhof der Roten Armee in der polnischen Grenzstadt Braniewo nahmen bis zu 200 russische Motorradfahrer teil, darunter auch eine Delegation der «Nachtwölfe».

Laut polnischen Presseberichten wurden die Motorradfahrer von der polnischen Polizei nach dem Grenzübertritt eskortiert. Dabei soll es keine Probleme gegeben haben. Am Sonntag blieb unklar, ob alle russischen Biker das Land wieder verlassen haben. 

«Nichts hält uns auf»

Damit könnte das Versprechen des «Nachtwölfe»-Präsidenten Alexander Saldostanow bereits erfüllt sein. Der Putin-treue Biker hatte am Samstag in Moskau angekündigt, seine «Nachtwölfe» würden trotz eines polnischen sowie eines deutschen Einreiseverbots versuchen, Berlin bis zum 9. Mai zu erreichen. 

«Wenn sie uns nicht alle zusammen einreisen lassen, dann kommen wir eben einer nach dem anderen von unterschiedlichen Orten aus», sagte Saldostanow. Wie geplant starteten Dutzende von Bikern ihre Tour von Moskau aus in Richtung Berlin. Bei der Abfahrt schwenkten sie rote Fahnen mit Stalin-Porträts und dem Rote-Armee-Slogan «Für das Vaterland! Für Stalin!»

«Wir sind Biker, unbewaffnet, offen nach allen Seiten», erklärte Saldostanow, der vom russischen Präsidenten Wladimir Putin mit einem Orden ausgezeichnet worden ist. Den Polen warf er «Einmischung» und «Russenhass» vor. «Nichts hält uns auf! Kein Wetter und auch kein polnisches Aussenministerium», höhnten seine Anhänger.

Die «Nachtwölfe» sind in Polen besonders umstritten, weil sie Putin vor Jahresfrist bei der völkerrechtswidrigen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim unterstützt hatten. Auch schicken sie immer wieder Freiwillige zu den prorussischen Separatisten im Donbass. In Polen ist die Solidarität mit der Ukraine sehr gross. Die polnische Regierung sprach deshalb seit Wochen von einer «politischen Provokation», auf die man nicht hereinzufallen gedenke.

«Eine Provokation ist es, uns das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg zu verwehren», protestiert jedoch Saldostanow. Man wolle nur die Gräber der Grossväter besuchen, das sei die Pflicht eines jeden Russen. «Unsere Reise ist eine Demonstration des Vertrauens, nicht der Stärke», erklärte er beim Abschied der «Nachtwölfe» in Moskau.

Aussenminister Grzegorz Schetyna warnte die Medien vor einer «Nachtwölfe»-Hysterie, die nur dem Kreml in die Hände spielen würde. Polen sei ein Rechtsstaat und wer ein gültiges Visum habe, könne das Land durchqueren, wenn er sich an die Gesetze halte, erklärte Schetyna zuerst. Am Samstag jedoch zog Warschau mit Berlin und Prag gleich und verbot den Russen die Einreise. Im Aussenministerium hiess es, die Biker hätten es verpasst, rechtzeitig die genaue Reiseroute bekannt zu geben.