Afghanistan

Tote bei Autobombenanschlag der Taliban am Flughafen von Kabul

Ein Bild der Zerstörung: Afghanische Sicherheitskräfte inspizieren den Flughafeneingang von Kabul, wo sich ein Attentäter kurz zuvor in die Luft gesprengt hat.

Ein Bild der Zerstörung: Afghanische Sicherheitskräfte inspizieren den Flughafeneingang von Kabul, wo sich ein Attentäter kurz zuvor in die Luft gesprengt hat.

Die Welle der Gewalt in Afghanistan reisst nicht ab. Nach den blutigen Attentaten vom Wochenende hat ein Selbstmordattentäter am Montag am Flughafen der Hauptstadt Kabul mindestens fünf Menschen mit in den Tod gerissen. 21 weitere wurden verletzt.

Dies teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit. Demnach zündete der Angreifer am Eingangstor des Flughafengeländes eine Autobombe. Zu dem Anschlag bekannten sich die radikalislamischen Taliban. Ziel sei ein ausländischer Truppenkonvoi gewesen.

In Fernsehbildern war eine dunkle Rauchwolke über dem Ort der Explosion zu sehen. Auch Häuser, Läden und Autos seien beschädigt worden, hiess es. Ein NATO-Sprecher sagte, es gebe keine Informationen über einen Konvoi in der Gegend. Ausländische Truppen seien nicht zu Schaden gekommen.

Kritische Töne an die Adresse Pakistans

Das Innenministerium sprach von einer "abscheulichen Tat". Afghanistans Präsident Aschraf Ghani machte erstmals direkt das Nachbarland Pakistan für die jüngste Anschlagserie mitverantwortlich.

"Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass die Trainingslager für Selbstmordattentäter sowie die Bombenfabriken, die zum Tod unserer Menschen führen, in Pakistan so aktiv wie früher sind", sagte Ghani. Er habe den pakistanischen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif am Wochenende in einem Telefonat aufgefordert, "Terrorismus in Afghanistan genauso zu sehen wie Terrorismus in Pakistan".

Islamabad hatte die Taliban in den 1990er-Jahren unterstützt und sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, dies auch weiterhin zu tun, um Einfluss auf Afghanistan auszuüben.

Ghani, der seit vergangenem September Präsident von Afghanistan ist, hatte darauf gehofft, dass Pakistan die Taliban dauerhaft an den Verhandlungstisch holen könnte. Eine erste Gesprächsrunde zwischen afghanischer Regierung und den Taliban hatte im Juli in der pakistanischen Stadt Murree stattgefunden, eine für Ende Juli geplante zweite Runde kam wegen des Machtwechsels bei den Taliban nicht zustande.

Polizei auf sich alleine gestellt

Erst am Wochenende hatten die Taliban Afghanistan mit einer Welle der Gewalt überzogen. Zunächst waren am Freitag bei der schwersten Anschlagserie seit Jahren in Kabul mindestens 53 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. In der Nacht zum Sonntag riss ein Selbstmordattentäter dann in der nordafghanischen Provinz Kundus mindestens 25 Menschen mit in den Tod.

Experten gehen davon aus, dass die Taliban mit der Anschlagserie von ihren internen Spannungen ablenken wollen. Nach der Bekanntgabe des Todes ihres langjährigen Anführers Mullah Omar Ende Juli war Mullah Achtar Mansur zum neuen Chef bestimmt worden. Er wird aber von grossen Teilen der islamistischen Bewegung abgelehnt, weil er der Regierung in Pakistan nahesteht und Friedensgesprächen mit der Regierung in Kabul befürwortet.

Der NATO-Kampfeinsatz in dem Land war Ende vergangenen Jahres offiziell ausgelaufen, die afghanischen Sicherheitskräfte sind seither weitgehend auf sich alleine gestellt. Die verbliebenen ausländischen Truppen konzentrieren sich seitdem auf die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte. Die USA gehen aber weiterhin mit Spezialkräften und Luftangriffen gegen Extremisten vor.

Nach Angaben der UNO-Mission in Afghanistan (UNAMA) sind in den ersten sechs Monaten seit dem Ende des NATO-Kampfeinsatzes fast 5000 Zivilisten getötet oder verletzt worden. Die Taliban hatten im April eine Frühjahrsoffensive begonnen, die sich gegen die Truppen der vom Westen unterstützten Zentralregierung in Kabul richtet.

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