Umwelt

Todesstoss für die Orang-Utans auf Sumatra

Trotz Moratorium genehmigt der Gouverneur von Aceh die Rodung des Lebensraums der Riesenaffen. Angeblich übte eine Palmöl-Firma grossen Druck auf die Entscheidungsträger aus.

Im Westen der Provinz Aceh wird derzeit im Herzen des 60000 Hektar grossen Tripa-Torfsumpfwaldes gerodet. Tripa ist laut der UNO-Umweltschutzorganisation UNEP einer der Biodiversitäts-Hotspots unseres Planeten. Das heisst: Dort gibt es besonders viele seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Für den stark bedrohten Sumatra-Orang-Utan ist Tripa der letzte zusammenhängende Lebensraum dieser Art.

In diesen Tagen holzt die Palmölfirma PT Kallista Alam im Tripa eine 1600 Hektar grosse Fläche ab. Die Bewilligung dazu gab Acehs Gouverneur Irwardi Yusuf. Der gleiche Gouverneur, der zuvor für ganz Aceh ein Rodungs-Moratorium aussprach. Ein Moratorium für ganz Indonesien sprach auch Staatspräsident Susilo Bambang Yudhoyono aus. Laut verschiedenen Quellen übte die Firma PT Kallista Alam grossen Druck aus auf die Entscheidungsträger in Aceh und in Jakarta.

Wichtiges Trinkwasserreservoir

Die Tripamoor-Zerstörung setzt enorme Mengen an CO2 frei, was gegen internationale Abkommen verstösst, die Indonesien unterschrieben hat. Dies mit dem Versprechen, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Die Rodung verstösst auch gegen internationale Moratoriums-Vereinbarungen, während zweier Jahre keine Holzkonzessionen in Torfmoorwäldern und in unberührten Wäldern zu vergeben. Indonesiens Umweltforum WALHI und die betroffenen Menschen im Tripa-Gebiet haben Gouverneur Yusuf und das Palmölunternehmen Kallista in Aceh eingeklagt. Für die Bevölkerung rund um Tripa ist der Wald das wichtigste Trinkwasserreservoir. Die Gerichtsverhandlung findet in den nächsten Tagen statt.

Die Schweizer Umweltschutzorganisation PanEco engagiert sich seit Jahrzehnten für den Sumatra-Orang-Utan. Mit ihrer Partnerorganisation vor Ort betreut sie im Auftrag des indonesischen Staates ein Orang-Utan-Schutzprogramm. PanEco-Präsidentin Regina Frey ist über die Zerstörung im Tripa-Gebiet schockiert und sagt: «Wir kämpfen seit sechs Jahren für Tripa. Es ist ein Gebiet, das zur Erhaltung des Sumatra-Orang-Utans von grösster Wichtigkeit ist.»

Gleich sieht es der weltweit prominenteste Orang-Utan-Forscher Carel van Schaik. Der Direktor des anthropologischen Institutes der Universität Zürich leitete ein Forschungsteam, das im Tripa-Torfsumpfwald erstmals nachwies, dass die Orang-Utans Werkzeuge verwenden. «Diese Primaten dort sind sehr begabt und haben unglaubliche Fähigkeiten entwickelt. Wenn dieser Wald nun auch noch vernichtet wird, verschwindet ein wertvolles Stück Leben.»

Wegweisendes Urteil

Die Kläger gegen den Staat und die Palmölfirma sagen, das Gerichtsurteil sei wegweisend für den zukünftigen Schutz der Regenwälder des Landes. Es werde zeigen, wie ernst dem Staat der Schutz der letzten Regenwälder und von Gebieten mit stark gefährdeten Arten sei. Regina Frey: «Das Urteil wird zu einem Präzedenzfall. Wenn jetzt erlaubt wird, die 1600 Hektaren zu roden, bedeutet dies das Todesurteil für den restlichen Tripa-Wald.»

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