Für Tiger Laziz kommt die Rettung in höchster Not. Alle anderen Raubkatzen im Zoo von Khan Younis, ganz im Süden des Gazastreifens, sind tot – verhungert, weil es kein Geld gab für Futter und artgerechte Versorgung.

Laziz («der Süsse») wird am Mittwochabend via Israel nach Südafrika zum Lionsrock reisen, einem Grosskatzenrefugium, das (laut Website) Bedingungen «fast wie in freier Wildbahn» bereithält.

Gut ein Dutzend Aktivisten der internationalen Tierschutzgruppe «Vier Pfoten» sind eigens angereist, um die letzten 15 Tiere aus dem «schrecklichsten Zoo der Welt» zu retten, wie ihn Tierarzt Amir Khalil nennt. Er schüttelt den Kopf über die Ignoranz und Hartherzigkeit des Zoobesitzers, der erst nach langwierigen Verhandlungen der Räumung des Geheges zustimmte. «Die Leute wissen einfach nicht, wie sie die Tiere behandeln müssen.» Im Gazastreifen sind Tiere gesetzlich nicht vor Misshandlungen geschützt. Es gibt keinen staatlichen Zoo, dafür aber mehrere private Gehege mit Tieren, die zumeist durch Tunnel aus Ägypten eingeschmuggelt wurden und die nur selten eine artgerechte Behandlung erfahren.

Die Hilfe kommt für viele zu spät

Laziz ist der letzte Tiger, der den Gazastreifen verlässt. Schon nach dem Krieg vor zwei Jahren, als viele Tiere bei Luftangriffen und Panzerbeschuss zu Tode kamen und die Überlebenden in den oftmals zerstörten Gehegen in Bedrängnis gerieten, konnte Tierarzt Khalil drei Löwen aus dem Al-Bisan-Zoo im Norden von Gaza retten und nach Jordanien bringen.

Seit 22 Jahren ist Khalil als Projektentwickler für die «Vier Pfoten» in Wien aktiv. Auf seine Initiative geht die Aktion in Khan Younis zurück. Für viele Tiere in Khan Younis kommt die Hilfe Khalils und seines Teams dennoch zu spät. 40 Vierbeiner sind allein in diesem Jahr verendet, darunter mehrere Tiger, eine Löwin und als Letztes noch ein Rehkitz.

Der skrupellose Halter des privaten Tiergeheges war überfordert und plante offenbar, sämtliche Tiere zu mumifizieren. Khalil berichtet über Schulklassen, denen die toten Tiger vorgeführt wurden. So etwas Schreckliches habe er noch nie gesehen, sagt er.

Plötzlich arbeiten Israeli und Palästinenser zusammen

Khalil geht es nicht nur um die Rettung der Tiere, sondern auch darum, ein Bewusstsein zu schaffen. «Im Gazastreifen gibt es ganze zwölf Tierärzte», berichtet er, fast alle seien im Gesundheitsamt angestellt. Eine Veterinärmedizinische Fakultät sei lange überfällig und Gesetze, die festhalten, wie die Vierbeiner versorgt werden müssen.

Positiv überrascht ist Khalil jedoch von der Hilfsbereitschaft und der Kooperation zwischen den Palästinensern, den Jordaniern und den Israelis. «Wenn es um das Wohl der geknechteten Vierbeiner geht, klappt die Zusammenarbeit plötzlich ganz gut», sagt er zufrieden.