Die USA hat sie, die Russen haben sie und die Chinesen haben sie auch – die Wasserstoffbombe. Sollte es dem nordkoreanischen Regime wie von ihr behauptet, am frühen Mittwochmorgen tatsächlich gelungen sein, eine Wasserstoffbombe zu testen, wäre das waffentechnisch eine Sensation. Denn ausser den drei militärischen Grossmächten ist es bislang kein anderes Land gelungen, eine finanziell und technisch so aufwändige Bombe zu zünden, die eine vielfache Sprengkraft einer herkömmlichen Atombombe aufweist.

Kernfusion statt Kernspaltung

Was die Wasserstoffbombe so besonders explosiv macht. Bei herkömmlichen Atomwaffen aus radioaktivem Plutonium oder Uran werden Kerne gespalten. Das setzt Energie als Hitze, Druck und Strahlung frei. Die unmittelbaren Schäden und die gesundheitlichen Langzeitschäden sind bereits immens.

Bei der Wasserstoffbombe jedoch werden Kerne fusioniert, indem bei ihrer Zündung die Elemente Deuterium und Tritium, zwei besonders schwere Isotope des Wasserstoffs, zu Helium verschmolzen werden. Deuterium und Tritium verdoppeln die Sprengkraft, weil bei einer Verschmelzung ihrer Atomkerne viele Neutronen geliefert werden. Die freigesetzte Menge an Energie ist ein vielfaches mehr.

Im Prinzip imitiert die Wasserstoffbombe die Vorgänge in der Sonne. Für die Zündung dieses Gemischs werden mehr als 100 Millionen Grad benötigt. Allein dafür benötigt die H-Bombe die Sprengkraft einer Atombombe. Die erste 1952 von den USA auf einem Atoll im Pazifik getestete Wasserstoffbombe war mehr als 700 Mal so stark wie die 1945 abgeworfene Atombombe auf Hiroshima.

Die Wasserstoffbombe


Experten haben Zweifel

Der technische und finanzielle Aufwand der Entwicklung einer solchen Bombe ist allerdings immens. Die erste von den USA getesteten Wasserstoffbomben waren wahre Monster. Sie hätten auf keiner Rakete gepasst. Inzwischen sind sie aber deutlich kleiner. Ausser den USA ist es bislang nur den Russen und den Chinesen gelungen, eine so gefährliche Bombe zu zünden.

Internationale Experten hegen denn auch grosse Zweifel, ob das finanziell völlig ruinierte Nordkorea am Mittwochmorgen wirklich geschafft hat, wofür China, die Sowjets und die USA über milliardenschwere Programme Jahrzehnte brauchte. Das nordkoreanische Atomprogramm existiert überhaupt erst seit Mitte der Nuller Jahre.

Hinzu kommen Bedenken von Geologen. Das am Mittwoch künstlich erzeugte Erdbeben in Nordkorea hatte nach Angaben chinesischer Geologen eine Stärke von 4,9, US-Wissenschaftler registrierten 5,1. Das ist fast identisch mit den Werten des nordkoreanischen Atomtests von 2013. Sie vermuten eher, dass es sich bei dem Test um eine fusionsverstärkte Atombombe handelt, nicht aber um eine Wasserstoffbombe. Dafür seien die Erschütterungen nicht gross genug gewesen.

Über das Atomwaffenprogramm Nordkoreas ist allgemein wenig bekannt. Als gesichert gilt, dass Nordkorea in kurzer Zeit einsatzbereite Atombomben herstellen kann. Diese Fähigkeit haben aber auch eine Reihe von anderen Nicht-Atommächte. Ob Nordkorea allerdings auch seine ballistischen Raketen mit entsprechend konfigurierten Atomsprengköpfen bestücken kann, ist unklar.