Die Behörden stellten in der ostbelgischen Stadt Verviers, unweit der deutschen Grenze, vier Kalaschnikow-Gewehre, vier Faustfeuerwaffen, Sprengstoff und gefälschte Polizeiuniformen sowie grosse Mengen an Bargeld und Mobiltelefone sicher. Die mutmasslichen islamistischen Terroristen hatten Angriffe auf die belgische Polizei geplant. Gemäss unbestätigten Berichten hatten sie den Justizpalast in Brüssel im Visier und wollten einen hohen Beamten entführen.

«Die Verdächtigen standen unmittelbar davor, in den nächsten Tagen, wenn nicht Stunden, Anschläge auf Polizisten in der Öffentlichkeit und in Kommissariaten auszuüben», sagte Eric Van der Sypt, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Spezialeinheiten zerschlugen die Terrorzelle bei insgesamt einem Dutzend Hausdurchsuchungen mit Schwerpunkt Brüssel.

Die meisten der mutmasslichen Terroristen waren Belgier, mehrere sind von Kampfeinsätzen in Syrien zurückgekehrt. Belgische Medien veröffentlichten Facebook-Fotos möglicher Verdächtiger, die in Syrien in Kriegskluft posierten. Über die Identität der Toten machten die Behörden keine Angaben; sie seien noch nicht identifiziert. Die beiden waren am Donnerstagabend in Verviers von Polizisten erschossen worden, nachdem sie unvermittelt das Feuer eröffnet hatten.

Aus ermittlungstaktischen Gründen verweigerte die Polizei weitere Auskünfte. Sie liess sich aber entlocken, dass sie immer noch mehrere Personen sucht. Die belgischen Polizisten sind darum derzeit mit kugelsicheren Westen und Schusswaffen unterwegs.

Kein Zusammenhang mit «Paris»

Einen Zusammenhang mit den Attentaten auf «Charlie Hebdo» in Paris gebe es gemäss bisherigen Erkenntnissen nicht, sagte Van der Sypt. Er wollte nicht sagen, ob die Terrorzelle Verbindungen zu «Sharia4Belgium» hatte; die Gruppe hatte bis vor zwei Jahren Kämpfer für die islamistischen Verbände in Syrien und Irak rekrutiert.

Die belgische Föderalregierung reagierte am Freitag prompt auf die vereitelten Anschläge: Sie beschloss einen 12-Punkte-Plan zur Bekämpfung und Prävention terroristischer Aktionen. Unter anderem kann sie vorübergehend die Armee auf die Strassen schicken, um die Polizei zu unterstützen.

Zudem will sie Islamisten härter anpacken: Künftig soll es bereits strafbar sein, in Terrorcamps ins Ausland zu reisen. Rückkehrern, welche die öffentliche Sicherheit gefährden, will die belgische Regierung die Nationalität aberkennen, sofern das möglich ist, sie also Doppelbürger sind. Weiter sollen Geheimdienst und andere Sicherheitsorgane zusätzliche Kompetenzen und Mittel erhalten sowie stärker zusammenarbeiten. Schliesslich will die belgische Regierung die Prävention in den Gefängnissen verbessern. Sie hegt den Verdacht, dass sich mehrere Mitglieder der Terrorzelle in Gefängnissen kennen gelernt und radikalisiert hatten.

Von den Anschlagsplänen hatte die Staatsanwaltschaft erfahren, indem sie Telefongespräche der Verdächtigen überwacht hatte. Die Ermittlungen hätten vor mehreren Wochen begonnen und seien unabhängig von Anti-Terror-Aktionen in anderen europäischen Ländern geplant worden, sagte Sprecher Van der Sypt.

In der sonst gemütlich-trägen belgischen Öffentlichkeit zeigte sich grosse Verunsicherung angesichts der Nachricht über die knapp vereitelten Anschläge. Jüdische Schulen blieben gestern Freitag als Vorsichtsmassnahme geschlossen. Der Brüsseler Rabbi Menachem Margolin verlangte gar eine Lockerung der Waffengesetze, «damit möglichst viele Juden eine Waffe tragen können»; jüdische Organisationen distanzierten sich umgehend von der Forderung.