Afrika

Terroristen gefährden Schweizer Einsatz – und Mosambiks Armee schaut hilflos zu

Die Menschen in der Provinz Cabo Delgado sind auf Ernährungshilfen angewiesen. 310000 sind vor dem Terror geflohen.

Die Menschen in der Provinz Cabo Delgado sind auf Ernährungshilfen angewiesen. 310000 sind vor dem Terror geflohen.

Im Norden Mosambiks meucheln islamistische Banden – genau da, wo die Schweiz sich für Frieden einsetzt. Die Gefahr wächst täglich.

Sie tragen Militäruniformen, wenn sie in gestohlenen Armeefahrzeugen über die Dörfer herfallen. Mit Benzinbomben stecken sie Häuser in Brand, mit Macheten töten sie ihre Bewohner. Fast 2000 Menschen verloren bei den Anschlägen der islamistischen Rebellen in Cabo Delgado bisher ihr Leben, mehr als 300000 mussten fliehen.

Religiöser Fundamentalismus war in der Provinz in Mosambiks Norden bis vor kurzem unbekannt. Seit genau drei Jahren aber kommt es in Cabo Delgado an der Grenze zum Nachbarland Tansania immer wieder zu Anschlägen durch die Ahlu Sunnah Wa-Jamaa, übersetzt etwa «Anhänger der Tradition». Die Fundamentalisten sollen durch den Islamischen Staat unterstützt werden.

© CH Media

Die terrorgeplagte Provinz ist eine der Schwerpunktregionen der Schweizer Entwicklungshilfe, die helvetischen Helfer finden sich unvermittelt an einer gefährlichen Front wieder. «Die Sicherheitssituation in den nördlichen Provinzen ist prekär und unübersichtlich», sagt Laila Sheikh, Leiterin der Internationalen Zusammenarbeit des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten in Mosambiks Hauptstadt Maputo.

Hunderttausende fliehen in überforderte Städte

Derzeit ist die Schweiz mit sechs Entwicklungsprojekten in Mosambiks Norden tätig, vorwiegend im Bereich Gesundheit. Schweizer Hilfe ermöglicht etwa den Bau eines Operationssaals und die Produktion von Desinfektionsmitteln während der Pandemie. Zudem fördert die Entwicklungshilfe den Kunstunterricht an den Schulen.

Bisher mussten keine Projekte im Kampfgebiet abgebrochen werden. Feldbesuche ausserhalb der Provinzhauptstadt Pemba seien für die Helfer jedoch unmöglich geworden, sagt Sheikh. Sorge äussert sie zudem über die hunderttausenden Zivilisten, die bisher vor den Kämpfen fliehen mussten.

Dabei sah es für den verarmten Norden Mosambiks zuletzt eigentlich ganz gut aus: Neu entdeckte Gasvorkommen in Cabo Delgado sollten das Land im kommenden Jahrzehnt zum viertgrössten Exporteur von Flüssigerdgas machen. Doch der Konflikt hat Mosambik in seiner Entwicklung weit zurückgeworfen. Die Gesundheitsversorgung und die Bildung kann in einigen Distrikten nicht mehr gewährleistet werden.

«Die Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage, wenn sie aufgrund von Vertreibung oder Gewalt ihre Felder nicht mehr bestellen oder nicht mehr fischen können», sagt Shekih. All das führe zu noch grösserer Armut.

Europa will keine Truppen entsenden

Mosambiks Armee scheint machtlos gegen die Fundamentalisten. Für Aufsehen sorgte letzten Monat ein Video, in dem Soldaten eine nackte Frau vor sich hertreiben, um sie schliesslich von hinten zu erschiessen. Auch die Anwesenheit von Söldnertruppen aus Südafrika und Russland hat kaum zu Entspannung beigetragen.

Die Regierung unter Präsident Filipe Nyusi stellt die Authentizität des Videos in Frage und behauptet, nach wie vor Kontrolle über die Region zu haben. Militärische Unterstützung durch die UNO schlossen die Politiker in Maputo bisher aus. Stattdessen baten sie die EU um Hilfe. In Brüssel will man den humanitären Einsatz unterstützen, eine Entsendung von Truppen an Afrikas Südzipfel komme jedoch nicht infrage.

Nicht nur die Schweizer Entwicklungspartner blicken mit wachsender Sorge nach Mosambik. Insbesondere auch das Nachbarland Südafrika fürchtet eine schleichende Ausbreitung des religiösen Fundamentalismus über die Landesgrenze – und damit in einen der wirtschaftlich bedeutendsten Staaten des Kontinents.

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