Niederlande

Terror oder Beziehungstat? Was zur Schiesserei in Utrecht bekannt ist – und was nicht

Nach den Schüssen in einer Strassenbahn im niederländischen Utrecht hofft die Polizei auf neue Erkenntnisse zum Tatmotiv. Nach seiner Festnahme am Montagabend sollte der 37 Jahre alte Hauptverdächtige weiter vernommen werden. Fünf Fragen und Antworten.

1. Was ist passiert?

Ein 37-jähriger Mann soll in einer Strassenbahn in der niederländischen Grossstadt Utrecht am Montagmorgen drei Menschen erschossen haben. Fünf weitere Fahrgäste wurden verletzt.

Drei von ihnen befanden sich in kritischem Zustand. Am Abend wurde der Hauptverdächtige bei einer Wohnungsdurchsuchung in Utrecht festgenommen. Bei ihm handelt es sich um den gebürtigen Türken Gökmen Tanis.

Nach Angaben der Polizei fielen die Schüsse gegen 10.45 Uhr. Der Vorfall ereignete sich im Westen der Stadt, etwa ein Kilometer entfernt von der Altstadt. Utrecht hat etwa 350'000 Einwohner und ist die viertgrösste der Niederlande.

Terroranschlag im niederländischen Utrecht

Terroranschlag im niederländischen Utrecht

Am Montagvormittag kam es in Utrecht zu einer Schiesserei. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt oder gar getötet. Der Schütze ist auf der Flucht.

2. Wer ist der Täter?

Tanis ist polizeibekannt. «Wir wissen relativ viel über ihn», sagte Jeuken vom Innenministerium. Der mutmassliche Täter hat nach Medienberichten ein langes Vorstrafenregister, im Dezember 2013 wurde er wegen versuchten Mordes verurteilt, vor zwei Wochen begann eine Verhandlung wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs. Darüber hinaus wurde er wegen Ladendiebstahls, Sachbeschädigung und Beleidigung vor Gericht gestellt.

3. Was ist sein Motiv?

Über das Motiv des Täters wurde gerätselt. Die Polizei hält einen Terrorakt, aber auch eine Beziehungstat für möglich. Zunächst hatte Utrechts Bürgermeister Jan van Zanen in einer Videobotschaft gesagt: «Wir gehen von einem terroristischen Motiv aus.» Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte sprach von einem «Anschlag».

Von Zeugen gab es unterschiedliche Hinweise zu der Tat. Augenzeuge Daan Molenaar erklärte im NOS Radio, nach seinem Eindruck habe es der Täter gezielt auf eine Frau abgesehen gehabt. Andere Zeugen wollen dagegen gehört haben, dass vier Männer «Allahu Akbar» (Gott ist gross) bei der Tat gerufen hätten, wie die Amsterdamer Zeitung «Het Parool» berichtete. Eine Sprecherin der Polizei Utrecht sagte: «Das können wir nicht bestätigen.»

Am Nachmittag sagte dann Polizeisprecher Bernard Jens dem niederländischen NOS Rundfunk: «Es könnte auch sein, dass es eine Beziehungstat ist.» Rutker Jeuken vom Innenministerium sagte am Abend: «Im Augenblick denken wir, dass es ein terroristisches Motiv sein könnte, aber wir können auch anderes nicht ausschliessen.»

Die Hinweise auf eine mögliche Beziehungstat mehrten sich aber. Nach Informationen des niederländischen Fernsehens vernahm die Polizei den Bruder des 37-Jährigen, ohne dass zunächst Details bekannt wurden.

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unter Berufung auf nicht näher benannte Verwandte von Tanis, dass er in der Strassenbahn auf eine Frau wegen einer Familienangelegenheit geschossen habe. Dann habe er das Feuer auf die Menschen eröffnet, die der Frau hätten helfen wollen.

4. Gibt es weitere Verdächtige?

Nach der Tat wurde nach Angaben der Polizei ein zweiter Verdächtiger festgenommen. Es sei aber unklar, inwieweit er beteiligt gewesen sei. Der Vorwurf laute auf Verdacht des Totschlags mit einem terroristischen Motiv.

Am Montagabend wurde ein dritter Verdächtiger in Gewahrsam genommen. Weitere Informationen liegen noch nicht vor.

5. Wie reagierten die Behörden?

Nach dem Angriff hatte die zuständige Behörde bereits die höchste Terrorwarnstufe für die Provinz ausgerufen, später aber herabgestuft. Rutte sagte: «Wir werden nie vor Intoleranz weichen.» Gewalt habe unschuldige Menschen getroffen.

Die niederländische Polizei veröffentlichte auch Fotos des verdächtigen Mannes aus dem Tram. Darüber hinaus entdeckte die Polizei ein nach dem Anschlag gesuchtes, rotes Fahrzeug. Zuvor hatte es geheissen, es würden Berichte geprüft, wonach ein Verdächtiger mit einem roten Auto geflohen sein soll.

Es gab mehrere Wohnungsdurchsuchungen. Die Menschen wurden aufgefordert, in ihren Wohnungen zu bleiben, später gab es Entwarnung.

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders ging ebenfalls von einem Terrorakt aus. Wilders sagte im niederländischen Fernsehen, es sehe nach einem «Terroranschlag mit unschuldigen Opfern» aus. (vom/sda/dpa/sam)

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