Ein BMW mit Chauffeur, eine zweistöckige Luxusvilla im exklusiven Mahawela Gardens, Studium im Ausland, Geld und Freunde in hohen Ämtern: Die beiden Brüder Inshaf und Ilham Ibrahim aus Colombo hatten von aussen betrachtet wenig zu beklagen. Die beiden waren die Söhne des grössten Gewürzhändlers von Sri Lanka, dem Milliardär Mohamed Ibrahim, einer der reichsten Muslime des Landes. Der 33-jährige Inshaf führte die Kupferfabrik des Familien-Imperiums. Vor Kurzem wurde er von der Regierung mit einem Unternehmerpreis ausgezeichnet.

Am Ostersonntag beendeten Inshaf und Ilham ihr Leben fast gleichzeitig: als Selbstmordattentäter in den Luxus-Hotels Shangri-La und Cinnamon Grand in ihrer Heimatstadt, der Hauptstadt Sri Lankas. Die Terrororganisation «Islamischer Staat» bekannte sich zur Anschlagsserie auf Kirchen und Hotels mit mindestens 359 Toten.

Ganzer Clan spurlos verschwunden

Inshaf war nie mit radikalen Ansichten aufgefallen. Er galt als freundlich, kümmerte sich um seine Angestellten und trat immer wieder als Wohltäter auf. Verheiratet war er mit der Tochter eines reichen Juwelenhändlers. Sein kleiner Bruder Ilham hingegen hatte keinen Hehl aus seinen islamistischen Ansichten gemacht. Der 31-Jährige soll an Treffen der «National Thowheed Jamath» (NTJ) teilgenommen haben. Sri Lankas Behörden haben die Organisation für die Anschlagsserie verantwortlich gemacht. Die Polizei hatte Inshaf bereits einmal verhaftet, ihn dann jedoch wieder auf freien Fuss gesetzt.

Als die Polizei am Sonntag das Haus von Ilham durchsuchte, zündete dessen schwangere Ehefrau Fatima einen Sprengsatz und tötete dabei sich, ihre zwei Kinder und drei Sicherheitsbeamte. Am Donnerstag bestätigte die Polizei in Colombo, dass die gesamte Ibrahim-Familie verhaftet worden sei. Der Vater der beiden Selbstmordattentäter wird verdächtigt, seinen Söhnen bei der Umsetzung der Terrorpläne geholfen zu haben.

Auch in Kattankudy, im Osten des Landes, richtet sich das Augenmerk der Ermittler auf eine Familie: die Hashims. Der ganze Clan ist seit Mitte April spurlos verschwunden: Zahran Hashim, dessen Eltern, zwei seiner Brüder und eine Schwester, samt Ehepartnern und Kindern – insgesamt 17 Leute. Die Polizei glaubt, dass Zahran Hashim der Drahtzieher der Anschläge vom Ostersonntag war – mit Hilfe des «Islamischen Staates» oder anderer ausländischer Terrornetzwerke. Es ist unklar, ob Zahran noch lebt oder wo er sich versteckt hält.

Zahran soll die «National Thowheed Jamath» in Kattankudy um 2011 herum gegründet haben. Zu den Predigten des begabten Redners kamen 2000 bis 3000 Menschen. Das Geld für die Moschee der neuen Organisation soll aus dem Ausland gekommen sein, sagen Einwohner.

Fusssoldaten des IS

Mohamed Jasim von der Badriya-Moschee in Kattankudy und andere Einwohner sagen, sie hätten die Behörden bereits seit 2012 immer wieder informiert – elf verschiedene Stellen, darunter auch das Verteidigungsministerium und den Bundesstaatsanwalt. «Aber alle Warnungen stiessen auf taube Ohren», sagte Jasim gegenüber dem «Daily Mirror» in Colombo. Bereits im Jahr 2006 verwüsteten islamische Fundamentalisten in Kattankudy einen islamischen Sufi-Schrein.

Sri Lankas Sicherheitsbehörden haben der Radikalisierung in der muslimischen Gemeinschaft offenbar wenig Aufmerksamkeit geschenkt, weil sie eher eine Wiederauferstehung der auch in der Schweiz bekannten tamilischen Separatistenbewegung «Tamil Tigers» befürchteten.

Extremismusforscher Amarnath Amarasingam in Kanada beklagt, dass auch die aus Syrien zurückgekehrten IS-Kämpfer nicht überwacht wurden. Mehr als 30 Bürger Sri Lankas kämpften für die Terrororganisation im Nahen Osten. Ob die Anhänger der von den Behörden für die Anschläge verdächtigten «National Thowheed Jamath» nur als Fusssoldaten für den IS dienten oder die Organisation die Attentate selbst geplant hat, ist noch unklar. Mit der Festnahme der reichen Kaufmanns-Familie in Colombo wird allerdings deutlich, dass die Islamisten auch finanziell auf heimische Unterstützung bauen konnten.