Auf dem Friedhof der Gedenkstätte in Ostbosnien wurden die sterblichen Überreste weiterer 613 Opfer beigesetzt, die während des vergangenen Jahres in Massengräbern entdeckt worden waren.

Bereits seit Sonntagabend hatten sich tausende Menschen an der Gedenkstätte in Potocari nahe Srebrenica versammelt. Sie waren zuvor der Tradition der Gedenkanlässe folgend drei Tage lang den etwa 110 Kilometer langen Weg gegangen, auf dem bosnische Muslime im Juli 1995 vor bosnisch-serbischen Truppen geflohen waren.

Familienangehörige versammelten sich zu Gebeten an den Gräbern der bereits 4524 beigesetzten Opfer und nahmen an der Beerdigung der weiteren 613 Opfer teil. Ein Junge, der zur Zeit des Verbrechens elf Jahre alt war, ist das jüngste Opfer, das am Montag beigesetzt wurde. Das älteste Opfer ist ein Mann, der damals 82 Jahre alt war.

Unter den Angehörigen, die auf dem Friedhof der Gedenkstätte an der Beisetzung der Opfer teilnahmen, war auch der 26-jährige Ahmed Sehic, dessen Vater beerdigt werden sollte.

Dieser und zwei Onkel Sehics waren bei dem Massaker 1995 getötet wurden, nachdem sie versucht hatten, durch die Wälder in muslimisches Gebiet zu fliehen. "Ich hoffe, dass es jetzt einfacher für mich wird", sagte der 26-Jährige. "Ich werde wissen, wo er ist und kann sein Grab besuchen".

Die Gedenkfeiern zur Erinnerung an das Verbrechen vor 16 Jahren fanden in diesem Jahr nur wenige Wochen nach der Verhaftung des früheren bosnisch-serbischen Armeechefs Ratko Mladic statt. Mladic war am 26. Mai in Serbien nach 16 Jahren auf der Flucht gefasst worden. Er gilt als Drahtzieher des Massakers.