Die Bilanz nach acht Jahren ist verheerend: Millionen Binnenflüchtlinge und ausser Landes Vertriebene, mehr als zwei Drittel der Bevölkerung sind täglich auf humanitäre Hilfe angewiesen. Wenn sich die internationale Gemeinschaft derzeit auch unfähig zeigt, dem Krieg in Syrien ein Ende zu bereiten, so kann sie wenigstens dafür sorgen, dass die Betroffenen möglichst menschenwürdig versorgt werden.

Zu diesem Zweck fand gestern in Brüssel die zweite Geber-Konferenz unter Beteiligung von 85 Staaten und internationalen Organisationen statt. Am Ende des Tages kamen 3,6 Milliarden Euro zusammen. Die UNO geht indes von einem Mindestbedarf von 6 Milliarden Euro aus.

Nicht vorwerfen, knausrig zu sein, muss sich Deutschland. Dessen Aussenminister Heiko Maas kündigte eine Milliarde Euro für den Zeitraum 2018/19 an. Damit ist Berlin neben Grossbritannien und den Institutionen der EU der grösste einzelne Geldgeber. Die Schweiz, die mit der stellvertretenden Staatssekretärin Krystyna Marty vor Ort war, steuert 61 Millionen Franken Hilfsgelder und 7 Millionen zur Friedensförderung bei.

Hoffnungen auf eine baldige Wiederbelebung des Genfer Friedensprozesses konnte man sich jedoch auch gestern keine machen. «Das Problem ist, dass der UN-Sicherheitsrat nach wie vor gespalten ist», sagte der UN-Syrien-Beauftragte Staffan de Mistura.

Anders ausgedrückt: Das Problem ist Russland. Momentan gebe es hier «nicht die Bohne» einer Bewegung, drückte es ein Diplomat eines EU-Staates aus. Und Assad, der drauf und dran ist, den Krieg zu gewinnen, hat ohnehin kein Interesse, sich an den Verhandlungstisch zu setzen.

Heute Gespräche in Paris

Das einzige Druckmittel, das die internationale Gemeinschaft in der Hand hat, sind Finanzhilfen für den Wiederaufbau des zerstörten Landes. Dieser Bedarf wird auf mindestens 230 Milliarden Euro geschätzt. Russland kann die Summe niemals allein aufbringen, will Syrien aber auch nicht den Chinesen oder dem Iran überlassen.

Dass der Westen sich allerdings nur am Wiederaufbau beteiligt, wenn ein politischer Prozess auf den Weg gebracht wird, an dessen Ende die Ablösung von Machthaber Baschar al-Assad steht, das machte EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini klar: «Glauben Sie, dass irgendeine internationale Organisation das Geld Assad gibt?», fragte die Italienerin rhetorisch.

Um zu diskutieren, wie man die Gespräche in Genf wieder in Gang bringen könnte, trifft sich heute eine Kerngruppe westlicher Staaten mit Ländern aus der Nahost-Region in Paris. Wahrscheinlich ist, dass das Format neben Frankreich, Grossbritannien, die USA, Jordanien und Saudi-Arabien umfassen wird.

Zudem hat der deutsche Aussenminister Heiko Maas seine Teilnahme angekündigt. Russland seinerseits will sich am Wochenende mit Iran und der Türkei treffen, was durchaus als Gegenveranstaltung verstanden werden kann.