Über dem Armenviertel Hadschar al-Aswad seien Kampfhelikopter im Einsatz. Im Norden habe das Militär Tausende Soldaten von der Grenze abgezogen und rücke nun mit Panzern auf die Wirtschaftsmetropole Aleppo vor. Bewohner dort sprachen von Raketenangriffen und Familien, die in Panik aus der Stadt flohen.

Der Schwerpunkt des seit 16 Monaten anhaltenden Aufstands gegen al-Assad lag lange Zeit in den Provinzen. In der vergangenen Woche riefen die Rebellen eine Schlacht um die Hauptstadt Damaskus aus, wo seitdem die Kämpfe sprunghaft zugenommen haben.

Auch in Aleppo haben die Rebellen nach eigenen Angaben und laut Augenzeugen die Kontrolle über mehrere Stadtteile an sich gerissen. Militärexperten gehen davon aus, dass die syrische Armee aus anderen Teilen des Landes abgezogen wird, um Gegenoffensiven in den beiden Machtzentren der Regierung zu starten.

Grenze für Handel geschlossen

Die Türkei lässt laut einer Sprecherin des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge ( UNHCR) nur noch Flüchtlinge über die Grenze. Für Waren sei der Übergang geschlossen worden. "Die türkische Regierung nimmt nach wie vor aktiv Flüchtlinge auf und bietet ihnen Schutz", sagte sie.

Zuvor hatte ein Vertreter des türkischen Handelsministeriums der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, die drei noch offenen Übergänge würden ab Mittwoch geschlossen. Die Aufständischen haben mehrere Posten unter ihre Kontrolle gebracht. Zehntausende Syrier sind in die Nachbarländer geflohen.

Botschafter-Ehepaar abgesprungen

Aus Protest gegen die Gewalt des syrischen Regimes haben zwei weitere Diplomaten des Landes Präsident Baschar al-Assad den Rücken gekehrt. Die Botschafterin in Zypern, Lamia al-Hariri, habe sich von Damaskus losgesagt und sei in Katar gelandet, teilte ein Sprecher des oppositionellen Syrischen Nationalrats (SNC) am Mittwoch mit.

Auch ihr Mann Abdel Latif Dabbagh, der Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten gewesen sei, habe sich abgesetzt. Zusammen mit Nawaf al-Fares aus dem Irak haben damit drei syrische Botschafter ihre Posten aufgegeben.

Einige prominente Mitglieder der Familie von Präsidenten al-Assad glauben offensichtlich nicht mehr an ein Überleben des Regimes.

Wie die Nachrichtenagentur dpa in Istanbul am Mittwoch aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, sollen sein Onkel Mohammed Machluf und dessen Söhne versucht haben im Ausland zu knüpfen. Sie suchten Schutz, falls Assad untergehen sollte. Mohammed Machluf ist ein Bruder von Assads Mutter.

Westliche Staaten haben gegen die Machlufs wegen ihrer engen finanziellen Verflechtungen mit dem Regime Sanktionen verhängt.