Es sei eine "gesunde Skepsis" gefragt, sagte die Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi am Freitag auf dem regionalen Weltwirtschaftsforum für Ostasien in der thailändischen Hauptstadt Bangkok.

"In diesen Tagen stosse ich immer wieder auf etwas, das ich leichtsinnigen Optimismus nenne", sagte sie. Ihr Land müsse die Bildung verbessern und Arbeitsplätze schaffen. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit nannte Suu Kyi eine "Zeitbombe". Zudem gebe es in Burma noch immer keine unabhängige Justiz und Rechtsstaatlichkeit.

Die langjährige Militärherrschaft und harte Sanktionen des Auslands haben die Wirtschaft in Burma weitgehend zum Erliegen gebracht. Millionen Menschen suchten ausserhalb des Landes eine Beschäftigung. Ihr Land liege zwar hinter allen zurück. Aber Burma könne auch aus den Fehlern der anderen lernen.

Suu Kyi hatte über 20 Jahre in Haft oder unter Hausarrest verbracht. Burma hatte sie 24 Jahre lang nicht verlassen aus Angst, das Militärregime könnte sie nicht wieder einreisen lassen.

Pressezensur soll Ende Juni Geschichte sein

Unabhängig von Suu Kyis Äusserungen hat am Freitag der Leiter der staatlichen burmesischen Zensurbehörde erklärt, die Zensur in dem südostasiatischen Land in wenigen Wochen abschaffen zu wollen. "Es wird ab Ende Juni keine Überwachung der Presse und keine Kontrolle von Zeitungen oder Zeitschriften mehr geben", sagte Tint Swe in einem Gespräch mit der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Seine Behörde werde zwar weiter bestehen, jedoch lediglich zur Registrierung neuer Titel und zu Archivierungszwecken. "Wenn das Parlament und die Regierung demokratisch arbeiten, wie könnte es dann weiterhin eine Zensur geben?", fragte er. Der frühere Militärangehörige leitet die burmesische Zensurbehörde in Rangun seit rund sieben Jahren.

Seit Monaten werde in Burma zudem an einem neuen Mediengesetz gearbeitet, das die Pressefreiheit sichern soll. Es könnte im Juli verabschiedet werden und sehe auch einen sogenannten Medienrat vor. Zu Gerüchten, dieses Gremium könne eine neue Zensurstelle sein, sagte Tint Swe: "Das ist falsch." Der Rat solle vielmehr als Vermittler zwischen der Medienbranche und der Regierung fungieren.