Die Hinweise verdichten sich: Der Co-Pilot der Germanwings-Maschine hat vermutich Suizid begangen. Bis zum Crash sei seine regelmässige Atmung auf dem Stimmenrekorder zu hören. Sonst nichts. Kein Notruf. Keine Antwort auf die Alarmapelle der Fluglotsen in Marseille. Keine Reaktion auf das Klopfen des ausgesperrten Piloten. Der Co-Pilot habe den Hebel bewusst betätigt, um das Flugzeug auf Sinkflug zu bringen. Dies sagte Staatsanwalt Brice Robin gegenüber den Medien. Kein Einzelfall, wie «Focus» schreibt.

29. November 2013 in Namibia

2013: Die Maschine der mosambikanischen Fluggesellschaft LAM ist auf dem Weg von Mosambiks Hauptstadt Maputo in die angolische Hauptstadt Luando. Der Co-Pilot verlässt das Cockpit, um auf die Toilette zu gehen. Als er zurückkehrt, ist die Tür verschlossen. Auf seine Rufe erhält er keine Reaktion. Der Flugkapitän öffnet nicht. Der Co-Pilot hämmert an die Tür. Noch immer keine Reaktion. Auch auf die Warnsignale reagiert der Flugkapitän nicht.

Germanwings-Absturz: Wer war der Copilot?

Germanwings-Absturz: Wer war der Copilot?

Drei Mal verändert der Flugkapitän die eingestellte Flughöhe manuell. Die letzte Einstellung: 180 Meter unterhalb des Bodenniveaus. In Namibias Bwabwata Nationalpark kracht das Flugzeug in den Boden. 34 Passagiere und Besatzungsmitglieder kommen ums Leben. Gegenüber den Medien sagt der Leiter des Mosambikanischen Instituts für Zivile Luftfahrt, Joao Abreu, später: Eine Auswertung des Flugschreibers habe gezeigt, dass der Pilot den Autopiloten auf eine Weise manipuliert habe, der seine "klare Absicht" zeige, das Flugzeug abstürzen zu lassen.

31. Oktober 1999 in den USA

1999: Die Boeing 767 von EgyptAir ist auf dem Weg von Los Angeles nach Kairo. Als der Kapitän auf die Toilette muss, stellt der Co-Pilot die Triebwerke und den Autopiloten ab. Das Flugzeug setzt zu einem steilen Sturzflug ein. «Ich vertraue Gott», wiederholt er elf Mal. Als der Kapitän zurückkommt, ist es bereits zu spät. Er kann den Absturz nicht mehr verhindern. 217 Menschen sterben.

War beim Germanwings-Absturz nur ein Pilot im Cockpit? Dieses Video zeigt im Detail, wie die verstärkte Türe funktioniert.

War beim Germanwings-Absturz nur ein Pilot im Cockpit? Dieses Video zeigt im Detail, wie die verstärkte Türe funktioniert.

Die ägyptischen Behörden sprechen nach dem Unglück von einem technischen Defekt als Ursache. Selbstmord wird nicht erwähnt. Aber: Der Co-Pilot hätte den mittleren Part des Langstreckenfluges übernehmen sollen. 20 Minuten nach dem Start soll er aber bereits den ersten Co-Piloten abgelöst haben.

Die letzten Minuten konnten nie richtig rekonstruiert werden: Der Strom fiel aus.

19. Dezember 1997 in Indonesien

1997: Die Boeing 737 der SilkAir ist soeben in Jakarta gestartet. Das Ziel: Singapur. Dort kommt das Flugzeug aber nie an. Unterwegs stürzt die Boeing ab. 104 Menschen sterben.

US-Ermittler gehen davon aus, dass der Kapitän den Sturzflug absichtlich eingeleitet hatte. Schon auf vorherigen Fügen hatte er die Flugschreiber deaktiviert, was vom Co-Piloten kritisert wurde. Und: Beide Flugschreiber fielen schon vor dem Absturz aus. 

21. August 1994 in Ägypten

1994: Das Flugzeug der marokkanischen Airline Royal Air Maroc hebt in Agadir ab. 44 Menschen sind an Bord. Die Maschine kommt nie am Bestimmungsort in Casablanca an: 10 Minuten ist die ATR 42 bereits in der Luft, als sie zu einem steilen Sturzflug ansetzt und im Atlasgebirge 32 Kilometer nördlich von Agadir abstürzt. Der Flugkapitän soll den Autopiloten auf Reisehöhe abgeschaltet haben. 

9. Februar 1982 in Japan

1982: Die Maschine der Japan-Airlines befindet sich auf dem Landeanflug auf Tokio. 174 Menschen befinden sich im Flugzeug. Plötzlich reagiert der Kapitän nicht mehr auf die Ansagen seines Co-Piloten. Auf einer Höhe von 50 Metern und einer Geschwindigkeit von 240 Kilometern pro Stunde stellt er den Autopiloten aus und drückt den Steuerknüppel nach vorne. Der Co-Pilot will das Flugzeug noch nach oben zu ziehen – vergeblich. Das Flugzeug schlägt im flachen Wasser der Bucht in Tokio auf.

24 Menschen sterben. Der Kapitan überlebt. Im Zuge der Ermittlungen kommt heraus: Der Kapitan ist nicht zurechnungsfähig und wurde ein Jahr zuvor schon suspendiert.

«Einen Sinkflug einzuleiten, ohne die Flugsicherung zu informieren – das ist eine Todsünde», sagt Ex-Swissair-Pilot und Aviatik-Experte Olav Brunner zum Germanwings-Unglück.

«Einen Sinkflug einzuleiten, ohne die Flugsicherung zu informieren – das ist eine Todsünde», sagt Ex-Swissair-Pilot und Aviatik-Experte Olav Brunner zum Germanwings-Unglück.

Ein weiteres Beispiel: das immer noch verschollene Flugzeug der Malaysia-Airlines

Die Malaysia-Airlines-Maschine vom Flug MH370 ist bis heute unauffindbar. Am 8. März 2014 verschwand das Flugzeug auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking vom Radar. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Pilot mit Absicht handelte. Denn: An Bord kam es zu erheblichen Manipulationen. 239 Menschen kamen vermutlich ums Leben. (ssu)