BWeber sitzt im 24-köpfigen Wahlgremium, das den Nachfolger von Dominique Strauss-Kahn bestimmen wird. Er findet, ein Nichteuropäer sei geeigneter, um der verschuldeten Eurozone den Spiegel vorzuhalten. «Das Argument, ein IWF-Chef aus Europa sei derzeit besonders wichtig, weil der IWF stark in die Lösung der europäischen Schuldenkrise eingebunden sei, überzeugt mich nicht. Es könnte im Gegenteil besser sein, wenn ein Externer auf die ökonomischen Schwachstellen innerhalb der Eurozone hinweist.»

Schwellenländer deutlich selbstbewusster

Dass Europa den Chefposten verliert, hält Weber für nicht ausgeschlossen. «Es ist auf jeden Fall offener als bei früheren Besetzungen. Die Situation der Europäer ist nicht die gleiche wie bei früheren Neubesetzungen. Sie sind in einer schwächeren Position, weil viele EU-Länder zu Kreditempfängern geworden sind und weil Griechenland, Irland und Portugal Grosskredite des IWF beanspruchen. Die Schwellenländer sind hingegen deutlich selbstbewusster geworden. Sie weisen zu Recht darauf hin, dass die Finanzkrise ihren Ursprung in den westlichen Industrieländern hatte.»

Ob der Schweizer Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand fürs Chefamt infrage kommt, will Weber nicht kommentieren. Er sagt aber: «In den Korridoren des IWF wurde der Name von Philipp Hildebrand ebenfalls genannt, was als hohe Wertschätzung einzustufen ist. Das letzte Wort zu einer Kandidatur hat aber er selbst.»