Die Strahlenbelastung im Meer nahe dem japanischen Krisenmeiler Fukushima 1 steigt weiter. Wie der Stromkonzern Tepco mitteilt, wurden im Meer in der Nähe der Abflussrohre der Reaktorblöcke 1 bis 4 etwa um das 150-fach erhöhte Werte von radioaktivem Jod-131 gemessen.

Dies sei die höchste Belastung, die bis jetzt im Meer gemessen wurde, hiess es. Die Werte bedeuteten aber weiter keine Gefahr für die menschliche Gesundheit. Dennoch müssten sie weiter beobachtet werden, sagte ein Tepco-Sprecher nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo.

Evakuierungszone ausweiten

Angesichts steigender Strahlenwerte in der Umgebung des AKW Fukushima wächst im japanischen Parlament der Druck auf die Regierung, die Evakuierungszone auszuweiten.

Heute unterschrieben 23 Abgeordnete aus dem Ober- und Unterhaus des Parlaments eine Petition, in der sie fordern, auch ausserhalb des bislang gezogenen 20-Kilometer-Radius' die Evakuierung «drastisch voranzutreiben».

Vorrangig sollten schwangere Frauen und Kleinkinder aus einem Umkreis von 30 Kilometern herausgeholt werden. Gestern hatten erst elf Abgeordnete die Petition unterstützt.

In den vergangenen Tagen hatten die japanischen Behörden erhöhte Strahlenwerte auch ausserhalb der 20-Kilometer-Evakuierungszone festgestellt. Ein Team der Gunma-Universität hatte am Montag rund 40 Kilometer nordwestlich von Fukushima um das 400-fach erhöhte Radioaktivität im Boden gemessen.

Opferzahl dürfte 15 000 übersteigen

Die endgültige Zahl der Todesopfer dürfte noch weit höher liegen. Ein Polizeisprecher in der schwer verwüsteten Präfektur Miyagi schätzte, die Zahl der Toten allein in dieser Provinz werde 15 000 übersteigen.

Weisser Dampf über den Reaktoren 1, 2 und 4

Die Situation sei momentan stabil, es müsse aber mit steigenden Temperaturen sowohl im Reaktor als auch im Abklingbecken gerechnet werden.

Die Arbeiten in Fukushima I gingen trotz des Unfalls grundsätzlich weiter. Die Einsatzkräfte wollen die Überhitzung der Reaktoren weiter auch mit Meerwasser stoppen. Doch das könnte Risiken bergen: Ein Experte in den USA warnte vor einer Salzverkrustung der Brennstäbe. Das würde ihre Kühlung blockieren.

Heute Morgen stieg weisser Dampf über den Reaktoren 1, 2 und 4 auf. Es sei das erste Mal, dass dies auch bei Reaktor 1 beobachtet werde, berichtete der TV-Sender NHK.

Arbeiter hoher Radioaktiver Strahlung ausgesetzt

Die Füsse der Arbeiter seien mit radioaktiven Elementen in Berührung gekommen. Zu dem Unfall kam es, als die Einsatzkräfte Stromkabel im Reaktorblock 3 verlegten.

Sie seien einer Strahlung von 170 bis 180 Millisievert ausgesetzt gewesen. Eine Belastung von 100 Millisievert pro Jahr wird als niedrigstes Niveau angesehen, bei dem ein erhöhtes Krebsrisiko besteht. Japan hatte den Grenzwert für die Arbeiten in Fukushima von 100 Millisievert auf 250 Millisievert pro Jahr heraufgesetzt.

Zwei Dutzend Menschen verletzt

Die Arbeiter arbeiteten den Angaben zufolge in einem Gebäude, in dem sich die Turbine befindet. Bereits am Mittwoch mussten mehrere Mitarbeiter in Sicherheit gebracht werden, nachdem über dem Gebäude von Reaktor 3 wieder schwarzer Rauch aufstiegen war. Die Betreiberfirma Tepco gab am Donnerstag bekannt, die Lage am Unglückreaktor Fukushima stabilisiere sich.

In Fukushima 1 waren nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom 11. März die Kühlsysteme ausgefallen. In der Folge kam es in mehreren Reaktoren immer wieder zu Explosionen und Bränden - Radioaktivität entwich.

Experten versuchen seither, das Kraftwerk mit Wasser zu kühlen und wieder mit Strom zu versorgen, um eine Überhitzung der Reaktoren zu verhindern. Seit Beginn der Atomkatastrophe wurden in Fukushima 1 rund zwei Dutzend Menschen verletzt.

Wassermangel in Tokio

Nach der Warnung vor radioaktivem Jod im Leitungswasser der japanischen Hauptstadt Tokio gibt es in den Geschäften kaum noch abgefülltes Wasser in Flaschen. Viele Bewohner der Hauptstadt versuchten daraufhin, in Online-Shops Wasser zu bestellen.

Inzwischen sank die Belastung des Leitungswassers nach Angaben der Behörden vom Donnerstag wieder unter den Grenzwert.

Im Ausland wuchs unterdessen die Sorge vor radioaktiv verstrahlten Nahrungsmitteln aus Japan. Wie bereits mehrere andere Staaten untersagten inzwischen auch Australien, Singapur und Hongkong die Einfuhr von Lebensmitteln aus fünf japanischen Präfekturen. (Agenturen/sza)