Im elsässischen Atomkraftwerk Fessenheim ist ein Gerät, das den Druck im Primärkreislauf misst, ausgefallen. Bemerkt hat Betreiber Electricité de France (EDF) das Problem im Juli, als Block eins für Unterhaltsarbeiten vom Netz war.

Am 25. Juli meldete EDF den Zwischenfall der Kontrollbehörde Autorité de Sûreté nucléaire (ASN) und stufte ihn als 0 ein, also ohne Auswirkungen auf die Sicherheit. Das ist unterhalb der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse Ines, die von 1 bis 7 geht. Die Messungen waren weiterhin möglich, weil es noch ein zweites Messgerät gab.

Eine vertiefte Analyse habe nun ergeben, dass das Messgerät schon früher als bisher gedacht ausgefallen sei, teilte EDF Ende November in einem Brief an die Colmarer Präfektur mit. Der AKW-Betreiber entschied deshalb, ihn gegenüber der ASN als Störung auf die Stufe 1 von Ines hochzustufen.

Was passiert bei Totalausfall?

Jean-Paul Lacote, AKW-Gegner und Mitglied der Überwachungskommission zu Fessenheim, forderte in einem kritischen Mail nachdrücklich, die Gründe für den Ausfall und die Dauer mitzuteilen. Ausserdem fragte er, was passiert wäre, wenn das zweite Messgerät ebenfalls versagt hätte.

Unabhängig von diesem erneuten Zwischenfall nahmen am Samstag um die 100 AKW-Gegner an einer von Greenpeace initiierten Aktion teil. Sie zeigten EDF und den französischen Staat auf der Colmarer Polizeiwache an, weil sie sich durch Fessenheim bedroht fühlen. Jede Anzeige sollte einzeln deponiert werden. Ähnliche Aktionen liefen gleichzeitig bei vier anderen französischen Atomkraftwerken. Ungefähr die Hälfte der Teilnehmer kam aus Deutschland.

Der Trinationale Atomschutzverband (Tras) geht derzeit weiter juristisch gegen das AKW vor. Die Verfahren laufen und sind noch hängig.

Gleichzeitig geht das Tauziehen zwischen dem französischen Staat und EDF um das Abstellen des AKW weiter. Der zuständige Staatssekretär Sébastien Lecornu hat kürzlich erneut Ende 2018/Anfang 2019 als Termin genannt. Das Aus von Fessenheim bleibt an die Inbetriebnahme des Europäischen Druckwasserreaktors EPR im nordfranzösischen Flamanville gekoppelt.

Ende November hat Lecornu in Paris neun zum Grossteil bürgerliche Politiker aus dem Elsass getroffen. In einer Medienmitteilung betonen diese, dass das «ungerechte» Aus für Fessenheim politisch und nicht technisch begründet sei. Sie äusserten sich gleichzeitig positiv über das Treffen und forderten einen Pakt zwischen Staat und Gebietskörperschaften, um die wirtschaftlichen, sozialen und energetischen Folgen abzufedern und alternative Projekte für Fessenheim zu erarbeiten.