Prominenter Talk-Gast – wenn auch nur live aus Athen zugeschaltet – gestern Abend in der ARD-Sendung «Günter Jauch»: Der umstrittene griechische Finanzminister Yanis Varoufakis äusserte sich vor einem Millionenpublikum zur Zukunft seines schwer angeschlagenen Landes. Varoufakis war bemüht, die Lage zu beschönigen. Er verwies auf die europäische Einheit, wich konkreten Fragen allerdings immer wieder aus.

So antwortete der 54-Jährige etwa auf die Frage, ob sein Land die gesamte Schuld von rund 320 Milliarden Euro jemals zurückbezahlen könne: «Wir werden alles Mögliche dafür tun, jeden einzelnen Euro zurückzugeben. Aber ihr müsst uns helfen, zu wachsen», plädierte Varoufakis für eine Abkehr von der Austeritätspolitik. Die jahrelange Sparpolitik, die seinem Land unter anderem von Deutschland aufgezwungen worden sei, habe die Wirkung verfehlt. Griechenland sei zwingend auf Investitionen in die Wirtschaft angewiesen.

Keine Zeit für Widmer-Schlumpf

Auf Gerüchte, wonach Griechenland demnächst wegen Zahlungsunfähigkeit aus der Eurozone austreten werde, ging er ausweichend ein. Ein Austritt Griechenlands würde für den Euro schädliche Spekulationen über weitere Austritte anderer Krisenstaaten fördern, sagte Varoufakis. «Eine Fragmentierung der Eurozone kann nicht im Sinne von uns und auch nicht von Deutschland sein.» Der Minister wurde zudem mit einem Video konfrontiert, das ihn zeigte, wie er seine Landsleute dazu aufforderte, den Deutschen den Stinkefinger zu zeigen. Varoufakis bezeichnete das Video als gefälscht.

Um dieses Video gehts: Yanis Varoufakis zeigt Deutschland den Stinkefinger – ab Minute 1.20.

Yanis Varoufakis zeigt Deutschland den Stinkefinger

Gefragt wurde der Grieche von Moderator Jauch ausserdem, weshalb er auf das Angebot der Schweizer Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf nicht eingegangen sei, Auskünfte über «griechische Konten» in der Schweiz zu verlangen. Varoufakis verwies darauf, dass er erst seit wenigen Wochen im Amt sei und das Angebot der Schweiz deshalb noch nicht habe annehmen können.