Es wird oft vergessen, aber Donald Trump war nicht Steve Bannons erste Wahl. Im Jahr 2013 versuchte der umtriebige Medienunternehmer und Politstratege vielmehr, den heutigen Justizminister Jeff Sessions zu einer Präsidentschaftskandidatur zu bewegen. Er werde chancenlos sein, sagte Bannon dem damaligen Senator aus dem Südstaat Alabama, und das Rennen um die Nomination zum Kandidaten der Republikaner nicht gewinnen. Sessions habe aber die einmalige Chance, als Vertreter eines ländlichen Südstaates mit einem Flair für Patriotismus und Populismus den Kurs seiner Partei zu beeinflussen – weil er mit den Themen, die ihm am Herzen lägen, mit dem Kampf gegen die Massen-Einwanderung und den ungezügelten Freihandel, auf grosse Zustimmung an der frustrierten Basis stossen werde, sagte Bannon.

Sessions aber hatte keine Lust, wie der Journalist Joshua Green später im Buch «Devil’s Bargain» erzählte. «Ich kann das nicht machen», beschied er seinem Förderer. «Aber wir werden einen Kandidaten finden, der Ihre Botschaft verkörpern wird.»

Auf Sessions aufgebaut

Der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt. Bannon fand Trump, den Multimilliardär aus New York City, der sich plötzlich aufführte, als sei er in Alabama aufgewachsen. (Zitat: «Ich liebe Alabama. Es ist speziell.») Im Frühjahr 2016 war es folgerichtig Jeff Sessions, der als erster republikanischer Senator die Präsidentschaftskandidatur des Anti-Politikers unterstützte. Bereits zuvor hatte der Senator dafür gesorgt, dass einer seiner verlässlichsten Adlaten – der junge Rechtsausleger Stephen Miller – ins Wahlkampfteam von Trump überwechselte und den Ex-Demokraten auf Kurs brachte. Miller besass einen direkten Draht zum meist scharf rechten, häufig unappetitlichen Internet-Portal «Breitbart News Network», für das Bannon seit 2012 arbeitete. Wenn Trump am politischen Programm Sessions’ festhalte und den Schwenker nach rechts «personalisieren» könne, dann werde Trump zweifelsohne als Sieger aus dem Ring steigen, prognostizierte Bannon.

Man kann also mit Fug und Recht sagen, dass Jeff Sessions das Grundgerüst für die erfolgreiche Präsidentschaftskandidatur von Donald Trump legte. In der (medialen) Öffentlichkeit aber erhielt Steve Bannon die Lorbeeren, nachdem er im Spätsommer 2016 zum Wahlkampfkoordinator Trumps aufgestiegen war und später zum Chefstrategen des Präsidenten befördert wurde.

Meister der Eigenwerbung

So ist das eben mit Bannon. Der kantige Ex-Matrose, Ex-Banker (Goldman Sachs), Ex-Filmemacher («Indian Runner»), Ex-Stratege und Ex-Medienunternehmer war stets darum bemüht, dass seine Arbeit im besten Licht erschien. Weil der 64-Jährige sich nie um gesellschaftliche Konventionen scherte, sein Auftritt demjenigen eines modernen Piraten glich und er auch nicht davor zurückschreckte, rechtsradikale Kräfte zu umarmen, zog er insbesondere im Machtzentrum Washington grosse Aufmerksamkeit auf sich.

Krieg gegen «den Sumpf»

Dabei aber übertrieb es Bannon: Auf dem Kriegspfad gegen das Establishment seiner Partei und «den Sumpf» in der Hauptstadt stiess er selbst enge Verbündete vor den Kopf. Zuletzt vergällte er im November und Dezember seine wichtigste Geldgeberin, die konservative Strippenzieherin Rebekah Mercer. Sie ist die Tochter des Hedgefonds-Milliardärs Robert Mercer, der sich nach anhaltender Kritik an seiner politischen Arbeit im November 2017 in den Ruhestand begeben hatte. Seither ist Rebekah Mit-Besitzerin von «Breitbart».

Mercer stiess sich daran, dass Bannon während des Senatswahlkampfes in Alabama, der mit einer Niederlage des republikanischen Kandidaten endete, verbrannte Erde zurückgelassen hatte. Ausserdem verfügen die Republikaner im Senat nun nur noch über eine hauchdünne Mehrheit von einem Sitz.

Ein Buch änderte alles

Dann wurde das Buch «Fire and Fury» des Journalisten Michael Wolff veröffentlicht, und Bannon sah sich plötzlich mit höchst unvorteilhaften Zitaten konfrontiert, in denen er über die Präsidenten-Tochter Ivanka («Dumm wie Stroh») und den Präsidenten-Sohn Don Junior («Verräter») herzog. Obwohl sich Bannon, mit einiger Verspätung, für seine offenen Worte mehr oder weniger entschuldigte, liess ihn Donald Trump fallen. «Er hat seinen Verstand verloren», sagte Trump vorige Woche über seinen ehemaligen Chefstrategen.

Jetzt ist der «Schlampige Steve», wie er von Trump auf dem Kurznachrichtendienst Twitter genannt wird, auch arbeitslos. Am Dienstag endete sein Gastspiel bei «Breitbart», angeblich im gegenseitigen Einverständnis. Nun muss der Pirat sich ein neues Schiff suchen.