Sicherheit

Sprengstoff an Bord? – kein Problem für US-Flughäfen

TSA: Inkompetente Security.REUTERS

TSA: Inkompetente Security.REUTERS

An den US-Flughäfen ist alles Mögliche möglich –das zeigt eine Untersuchung des Magazins «Time».

Amerika steht derzeit wieder einmal unter Terroralarm. Seit der Islamische Staat (IS) bei der Schiesserei im kalifornischen San Bernardino erstmals Präsenz in Nordamerika gezeigt hat, ist das Land in hellem Aufruhr.

Hetzer wie Donald Trump wollen die Grenzen für Muslime dichtmachen, und Präsident Barack Obama fühlte sich bemüssigt, in einer Sonderansprache die Nation zu beschwichtigen.

Allerortens werden noch schärfere Sicherheitsmassnahmen und noch bessere Abwehrmassnahmen gefordert. Die Diskussion darüber, wie wirksam die bisherigen Schritte im Kampf gegen den Terror waren, der seit 2001 das ganze Land in Atem hält, gerät bei all dem Aktivismus jedoch in Vergessenheit.

So deckte das «Time Magazine» in dieser Woche in einem Exposé auf, dass die immens teuren und aufwendigen Sicherheitskontrollen an US-Flughäfen, die nach 2001 installiert wurden, kaum dazu angetan sind, echte Gefahren zu erkennen und abzuwehren.

Investitionen sind wirkungslos

In einer internen Untersuchung, die «Time» zugänglich gemacht wurde, kamen Prüfer in 96 Prozent aller Fälle mit Sprengstoff oder Waffen ungehindert ins Flugzeug. Und sogar Bomben in Taschen rutschten unbemerkt durch die je 1,3 Millionen Dollar teuren Scanner.

Der «Time»-Artikel zeichnet die Flugsicherheitsbehörde TSA (Transportation Security Administration) als eine vollkommen dysfunktionale Organisation. «Die TSA hat seit 2008 2 Milliarden Dollar allein für die Gepäckkontrolle ausgegeben. Die Sicherheit hat sich dadurch jedoch praktisch überhaupt nicht verbessert.»

Als Grund für die vollkommene Ineffizienz der Behörde nennt «Time» die Hast, mit der sie 2001 ins Leben gerufen wurde. Der Kongress gab der neu geschaffenen Organisation nach den Anschlägen vom 9. September 2001 genau ein Jahr, um an amerikanischen Flughäfen flächendeckende Sicherheitskontrollen zu installieren.

«Es war eine unmögliche Aufgabe», sagt heute einer der Senatsbeauftragten, die mit der Aufgabe betraut wurden.

Lizenz zum Geldausgeben

Damit die Organisation so schnell installiert werden kann, wurden alle möglichen bürokratischen Hindernisse aus dem Weg geräumt. Die TSA bekam völlige Freiheit, ohne Aufsicht Gelder auszugeben und Verträge abzuschliessen.

Laut «Time» eine katastrophale Entscheidung: «Wann immer eine Behörde derartige Freiheiten erhält, endet das im Desaster», sagte der Juraprofessor Steven Schooner, Experte für Staatsbudgetierung an der George Washington-Universität in der Hauptstadt Washington.

So reihten sich von Anfang an eine Fehlinvestition und Verschwendung an die andere. Die Vorstellungsgespräche für die rund 60'000 neuen Angestellten wurden an angenehmen Orten wie den Virgin Islands in der Karibik geführt. Kostenpunkt für den Steuerzahler: zirka 300 Millionen Dollar.

Für 30 Millionen Dollar wurden sogenannte Puffer-Scanner gekauft, ohne dass ihre Wirksamkeit geprüft wurde. Sie stellten sich als nutzlos heraus.

Vor allem jedoch erlaubte der Mangel an Aufsicht der Behörde die Einstellung von unterbezahltem, inkompetentem Personal. «Die TSA-Angestellten», so «Time», «haben die schlechteste Moral und die höchste Kündigungsrate aller Regierungsbediensteten». Zudem schafften es 73 Personen in den TSA-Dienst, die auf der Liste der Terrorverdächtigen der Heimatschutzbehörde stehen.

Untätigkeit bringt Geld

Als Grund dafür, dass die Behörde bis heute nicht reformiert worden ist, obwohl ihr Versagen bereits im Wahlkampf 2008 Thema war, schreibt «Time», dass es dafür kein politisches Interesse gibt. «Solange sich die Politiker darüber streiten, wie man TSA reformieren kann, bekommen sie Wahlkampfspenden sowohl aus dem Sicherheitssektor als auch von den Gewerkschaften.»

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