Die deutsche Bundesanwaltschaft, die M. wegen mutmasslicher Spionage für die Schweiz strafrechtlich verfolgt, müsse nun den von der Verteidigung „beantragten Beweiserhebungen“ nachgehen. Das heisst, sie muss versuchen, hochrangige Schweizer Zeugen einzuvernehmen:  Den Vizechef des Nachrichtendienstes NDB, Paul Ziniker. Carlo Bulletti, den zuständigen Staatsanwalt des Bundes, der ebenfalls ein Verfahren gegen M. führt. Und Bundesrichter Niklaus Oberholzer, den Vorsitzenden der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft AB-BA. Weiter soll gemäss Verteidigung des Schweizers auch der deutsche Partner von M., Unternehmer und ex-BND-Mitarbeiter Klaus-Dieter Matschke einvernommen werden.

Matschke hatte erstmals gegenüber der «Nordwestschweiz» gesagt, M. habe seiner Ansicht nach gar keinen Maulwurf im Finanzministerium von Nordrhein-Westfalen installiert. Stimmt das, fällt ein zentraler Vorwurf der deutschen Justiz gegen M. dahin.

  1. sitzt seit Ende April in Haft. Seine Verteidigung stellt sich auf den Standpunkt, der Schweizer habe nur in geringfügigem Rahmen für den Schweizer Dienst gearbeitet. Die schwerwiegenden Vergehen, die ihm Deutschland vorwirft, so die Platzierung eines Maulwurfs, habe er nicht begangen. So habe ihm der NDB für seine Aktivitäten in Deutschland nie fünfstellige Summen in Aussicht gestellt oder bezahlt. Von den Zeugen erhofft sich die Verteidigung, dass sie dies bestätigen.

  2. hat sich seine Lage offenbar weitgehend selbst eingebrockt. Er hatte seine angebliche Spionagetätigkeit gegenüber der Schweizer Bundesanwaltschaft zu Protokoll gegeben. Diese ermittelt wegen wirtschaftlichem Nachrichtendienst gegen den M., er soll Bankdaten zum Kauf angeboten haben. Die Befragungsprotokolle landeten später ungeschwärzt in Deutschland und dienen der deutschen Bundesanwaltschaft nun als Basis des Verfahrens gegen den Schweizer.

Ob die Schweizer Zeugen aussagen werden, ist fraglich. Deutschland dürfte versuchen, sie rechtshilfeweise in der Schweiz befragen zu lassen. Matschke sagte gegenüber der „Nordwestschweiz“, er sei zur Aussage bereit. Aber auch das scheint unsicher. Vor allem dann, wenn er Gefahr laufen könnte, sich selbst zu belasten. M. sitzt seit Ende April in Deutschland in Untersuchungshaft.