Auf Spaniens Stierkampfplätzen wird ein neuer Held bejubelt. Kein Stierkämpfer, sondern ein Politiker, der die Toreros öffentlich wie kein anderer gegen die Anti-Stierkampf-Bewegung verteidigt. «Santiago Abascal als Regierungschef», skandierte dieser Tage das Publikum in der Arena der ostspanischen Stadt Valencia. Der 43-jährige Abascal, Vorsitzender der aufstrebenden Rechtsaussenpartei Vox, geht gerne als Zuschauer zu Stierkämpfen.

Doch nicht nur bei seinen privaten Besuchen auf Spaniens Stierkampfplätzen wird Abascal von den Massen gefeiert. Auch bei seinen Wahlkampfauftritten, mit denen er in den letzten Wochen grosse Veranstaltungshallen im ganzen Land füllte, brachte er mit seinem Aufruf, die spanische Kultur und natürlich erst recht die Nation zu verteidigen, die Menge zum Kochen.

Vor allem die grosse Nation Spanien, die er bedroht sieht durch Linke, katalanische Separatisten, Migranten und proeuropäische Politiker wie Angela Merkel oder Emmanuel Macron, ist sein Lieblingsthema. «Vox ist eine patriotische Bewegung zur Rettung der nationalen Einheit», sagt Abascal.

Als allergrösste Gefahr für seinen Traum vom grossen und einigen Vaterland hat Abascal die katalanische Unabhängigkeitsbewegung ausgemacht. Und gleich danach kommt Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez, den Abascal ebenfalls als «Feind Spaniens» betrachtet.

Die Umfragen trauen der Partei Vox, die bisher nicht im nationalen Parlament vertreten war, auf Anhieb mindestens elf Prozent der Stimmen zu. Abascal, der 20 Jahre lang Mitglied der konservativen Volkspartei war, träumt sogar von mehr.

Auch von der Europäischen Union halten Spaniens Rechtspopulisten wenig. Sie wollen weniger europäische Integration und mehr Macht für den Nationalstaat. Oder kurz gesagt: Spanien und die Spanier zuerst. Nicht nur diese Sprüche erinnern an US-Präsident Donald Trump, von dem noch weitere Bekenntnisse kopiert zu sein scheinen. Etwa wenn Abascal fordert, die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika mit einer Mauer gegen Migranten abzuschotten und dem Nachbarn Marokko die Rechnung zu schicken.

Am Sonntag wird sich zeigen, wie stark Spaniens neue Rechte wirklich ist. Und welche Rolle Abascals rechtspopulistische Bewegung in der spanischen Parteienlandschaft spielen wird.