Olympische Spiele

Somalische Olympionikin stirbt auf Flüchtlingsboot in Richtung London

Samia Yusuf Omar an den Olympischen Spielen in Peking

Samia Yusuf Omar an den Olympischen Spielen in Peking

An der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking trug Samia Yusuf Omar die Flagge ihres Landes. Für 2012 hatte die somalische Sprinterin denselben Traum: Olympia erleben. Doch das Boot, das sie ihrem Traum näher bringen sollte, kenterte.

Es ist die wohl tragischste Geschichte der Olympischen Spiele von London. Eine 21-jährige Athletin bricht auf, um ihr Land an den Olympischen Spielen zu vertreten und ertrinkt auf einem Flüchtlingsboot im Mittelmeer.

Vor vier Jahren sorgte die somalische Sprinterin Samia Yusuf Omar in Peking für Furore. Den olympischen Traum wollte Samia auch in diesem Sommer in London leben. Weil jedoch nicht klar war, dass das von fundamentalistischen Muslimen dominierte Land überhaupt Athleten nach London schicken würde, bestieg die Olympionikin in Libyen ein Flüchtlingsboot. Wie jetzt bekannt wurde, kenterte das Boot Anfang April vor Malta und Samia ertrank im Mittelmeer.

Anrennen gegen den Hass in Somalia

Schon für ihren Traum von Peking musste die Athletin viele Hindernisse überwinden. Muslimische Kräfte in Somalia wollten damals den Start der jungen Frau verhindern. «Ich renne gegen den Hass in meinem Land und um meiner Familie zu helfen», sagte sie damals.

Und Samia hat es geschafft. Sie war eine von zwei Olympioniken, die ihr Land in Peking vertreten hat. Mit der Rückennummer 2895 und in lockerer Laufkleidung sprintete sich die Olympionikin in die Herzen der Zuschauer - wohl auch weil sie mit ihrer Zeit von 32 Sekunden um Welten hinter den Spitzenläuferinnen lag.

Im Krieg geboren

Welten trennten die Athletin auch privat von vielen anderen olympischen Athleten. Geboren ist Samia Yusuf Omar 1991 im ersten Jahr des blutigen Bürgerkriegs in Somalia. Im Chaos und den Wirren auf den Strassen von Mogadischu hat sie laufen gelernt und im Kugelhagel auch ihren Vater verloren. Dieser Welt wollte sie auch in diesem Sommer entfliehen, um an den Sommerspielen von London teilzunehmen. Um die gefährliche Reise zu finanzieren, wurde Geld gesammelt und Samias Mutter hat sogar ein kleines Grundstück verkauft, um der Tochter den Traum zu ermöglichen.

Der Tod von Samia Yusuf Omar wurde vom ehemaligen somalischen Spitzen-Athleten Abdi Bile enthüllt. «Wisst ihr eigentlich, was aus Samia Yusuf Omar geworden ist?», hat er die Mitglieder des somalischen Olympischen Komitees gefragt. Weil niemand antwortete, gab Abdi Bilde die Antwort gleich selbst: «Sie ist auf dem Weg in den Westen gestorben. In Libyen hat sie ein Flüchtlingsboot bestiegen, aber in Italien ist sie nie angekommen.»

Zwei Seiten der Medaille

Die italo-somalische Schriftstellerin Igiaba Scego hat die Geschichte von Samia jetzt in ihrem Blog aufgeschrieben, um zwei Seiten der Medaille zu zeigen. Auf der einen Seite die tragische Geschichte einer jungen Athletin und auf der anderen Seite die Geschichte von Mo Farah. Der ehemalige somalische Flüchtling ist in England gelandet und hat in diesem Sommer für das Team Great Britain gleich zwei goldene Medaillen über 5000 und 10'000 Meter erlaufen.

Im Interview mit Radio Vaticano meinte Igiaba Scego, das Schicksal der jungen Athletin sei beispielhaft für ihr Land, das seit 21 Jahren unter dem Bürgerkrieg leide. «Es gibt Leute, die im Krieg geboren sind. Sie hatten nie die Möglichkeit zu studieren, an ihre Zukunft oder Arbeit zu denken.»

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