Ausschreitungen

So unterschiedlich die Proteste im Irak und im Libanon sind – der Feind ist derselbe

Die Proteste im Irak haben über 250 Tote gefordert.

Die Proteste im Irak haben über 250 Tote gefordert.

Mehr als 250 Tote haben die Proteste im Irak schon gefordert. Ihr Ziel bleibt unerreicht.

Zehn Tote in zwei Tagen: Das ist die traurige Bilanz der Proteste im Irak seit Anfang Woche. Die Proteste richten sich gegen die korrupte Regierung – und gegen den wachsenden Einfluss des mächtigen Nachbarn Iran in der irakischen Politik. Genau 40 Jahre, nachdem iranische Studenten die amerikanische Botschaft in Teheran besetzten und 52 Diplomaten 444 Tage lang in Geiselhaft nahmen, eskaliert die Gewalt im Irak von Neuem.

Seit dem Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein 2003 wächst der Einfluss iranischer Geistlicher und Funktionäre im Irak merklich – zum Unmut von weiten Teilen der irakischen Bevölkerung. Überall im Land stossen die Abgesandten Teherans mit ihren Massregelungen die Iraker immer wieder vor dem Kopf. Deren Zorn auf Iran ist verständlich, wenngleich die Korruption im Irak nicht allein dem Regime in Teheran angelastet werden kann.

Die iranische Führung hingegen sieht in den Protesten die Auswüchse einer westlichen Verschwörung, die den Einfluss des Irans in der Region schmälern will. Irans Revolutionsführer Ali Khamenei entsandte den Kommandanten der gefürchteten Al-Quds-Brigaden, Kassim Suleimani, nach Bagdad. Im Iran wisse man, wie man mit Protesten umzugehen habe, brüstete sich der Kommandant.

Mehr als 250 Iraker haben die iranischen Regieanweisungen inzwischen mit dem Leben bezahlt. Ein Ende der Proteste ist nicht in Sicht. Dass eine korruptionsfreie Verwaltung nicht über Nacht installiert werden kann, wollen die meisten Demonstranten nicht begreifen.

Mächtige Clans sind kaum zu stürzen

Ganz ähnlich ist die Lage im Libanon. Auch dort verlangen die demonstrierenden Volksmassen einen Neuanfang. Sie fordern eine Streichung des Verfassungsgrundsatzes, der allen grossen Religionsgemeinschaften und Clans eine Teilhabe an der Macht garantiert.

Im Gegensatz zum Irak sind die Proteste im Libanon bisher   friedlich verlaufen. Die andauernde Blockade wichtiger Verkehrswege kann sich das Land jedoch nicht mehr lange leisten. Wie im Irak müssen daher auch im Libanon die Volksmassen abwägen, wie weit sie mit ihren Protesten gehen wollen, ohne den völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch zu riskieren.

Grundlegende Reformen bei gleichzeitiger Geduld stünden jetzt auf der Tagesordnung, analysiert das Beiruter Internetportal Am Monitor. Das Problem: Die Geduldsfäden der Menschen sind längst gerissen.

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